Marokko mit dem Reisemobil im Februar und März 2012




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Marokko mit dem Reisemobil im Februar und März 2012

Beitragvon MobilLoewe » Sa 10. Mär 2012, 18:59

Tach zusammen,

hier mein überarbeitere Reisebericht. Etliche Bilder findet Ihr in meinem Blog: http://www.blog.reisemobil-fahren.de/

Immer wieder haben wir uns gesagt, wir müssen mal wieder nach Marokko fahren. Denn Anfang 2005 haben wir das Land mit einer Gruppe bereist und waren begeistert. Jetzt war es soweit, im Januar 2012 sind ein wenig überraschend die Würfel gefallen, wir fahren nach Marokko.
Faszination Marokko

Marokko, Loewes Sehnsucht? Ja durchaus, vor allen Dingen nach den faszinierenden Wüstenlandschaften! Das Land Marokko kann man, sei es geschichtlich, kulturell, die Tradition oder die Natur, nicht so einfach beschreiben. So geht es im Reisebericht auch um die Schönheit eines Sonnenunterganges in einer Oase der Sahara, oder die karge Steinwüste, die rötlichen Berge, die Souks und vieles mehr. Natürlich dürfen die Königsstädte wie Fes und Meknes nicht fehlen, vor allen Dingen das pulsierende Marrakesch wird unsere besondere Aufmerksamkeit erfahren.

Die Fähre war schnell gebucht, diesmal von Genua nach Tanger mit der Grandi Navi Veloci Linie. Kein preiswertes Vergnügen trotz 10% ADAC-Rabatt, hin und zurück mit Kabine 1259 Euro. Aber die Kostenbilanz bis Algeciras selbst zu fahren hob sich in etwa auf, wenn man Maut, Diesel und die Kurzfähre addierte. Dafür spart das Reisemobil etliche Kilometer und eine 48-stündige Schiffsreise trägt hoffentlich dazu bei, das wir entspannt und voller Tatendrang in Marokko ankommen.

Sicherheit in Marokko

Sobald man die Reise erwähnt hat, haben wir die ängstlichen Mobilsten gehört, die wegen der Sicherheitslage auf keinen Fall dort hin reisen würden. Dazu hat Edith Kohlbach, deren fabelhaften Campingführer 2011/2012 wir gekauft haben, geschrieben:

“Das Auswärtige Amt rät bei Aufenthalten in Marokko - wie in allen Ländern der Region - zu erhöhter Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für Orte, an denen sich Touristen aufhalten, sowie für religiöse Kultstätten. Im wüstenartigen marokkanischen Grenzgebiet zu Algerien könnten Reisende besonderen Gefährdungen ausgesetzt sein.

Hierzu muss angemerkt werden: Das touristisch besonders interessante Gebiet Merzouga - Taouz - Mhamid - Foum Zguid - Tata ist bewohnt und wegen der Grenznähe von starker Militärpräsenz. Es erscheint hier, dass das Auswärtige Amt sich nur absichern will, von den tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten aber wenig Ahnung hat. Ganz davon abgesehen haben die USA im Herbst 2010 auch für Deutschland eine Reisewarnung herausgegeben. Die Welt ist unsicher geworden, wie die Anschläge in Oslo oder die blutigen Krawalle in London im Sommer 2011 zeigten. Es kann überall etwas passieren, auch in Deutschland. Aber wenn in einem islamischen Land etwas passiert, wie zum Beispiel der schreckliche Anschlag auf das Café Argana in Marrakech im April 2011, reagieren die Menschen sehr emotional und stornieren sofort ihre Reisen. Kein Mensch hat jedoch Reisen nach USA, Spanien, Frankreich, Norwegen oder England storniert, trotz Anschlägen mit vielen Todesopfern.“


Reiseplanung

Für die Reisevorbereitung und Feinplanung wurde der des KNOW-HOW-Verlages 2012/2013 gekauft, mit vielen guten Tipps auch für Reisemobilsten. Übrigens, mit einer ähnlichen Einschätzung zur Sicherheit in Marokko wie Edith Kohlbach.
Eigentlich wollten wir die Tour gemeinsam mit einem Reisemobilpaar fahren, eine Bekanntschaft vor vielen Jahren aus Griechenland. Wir trafen uns in der Schweiz und fuhren gemeinsam nach Genua. Bereits nach zwei Tagen in Marokko stellte sich heraus, unsere unterschiedlichen Gewohnheiten und jeweiligen individuellen Vorstellungen, wie so eine Tour ablaufen sollte, passten nicht so recht zusammen. Daher haben wir uns bereits in Fès von den Beiden freundschaftlich getrennt, daher konnten wir unsere Reiseroute anders planen und entspannter fahren.

Unsere Reiseroute ergab sich letztendlich so:

Tanger Med - Chefchauen - Quazzane - Fès - Meknès - Volubilis und Moulay Idris - Midelt - Gorges du Ziz - Meski - Erfoud - Rissani - Merzouga (Erg Chebbi) - Todrha-Schlucht bis Tamtatouchte - Dades Schlucht bis Msenrir - Dra-Tal - Mhamid (Erg Chegaga) - Zagora - Ouarzazate - Ait Benhaddou - Marrakesch - Ouzoud (Wasserfälle) - Rabat und Salé - Cromlech de M'Soure - Tanger Med.
Wir hatten uns ursprünglich noch mehr Orte vorgenommen. So entschieden wir uns oft von einem auf den anderen Tag für neue Ziele, das ist der MobilLoewen liebste Reiseart. Dann wurden am Abend die Reiseführer und Landkarten studiert, das Navi gefüttert und am nächsten Tag rollte der Big Grasshopper dem Piloten gehorchend, auf überwiegend guten Straßen, auf zu neuen Erlebnissen. Dennoch sind wir in Marokko immerhin 3.388 Kilometer gefahren.

Anreise

Die Fahrt von Hattingen führte uns zunächst zu unserem Reisemobilhersteller Woelcke nach Heimsheim. Die Rückfahrkamera funktionierte nicht, die Stufe fuhr nicht mehr automatisch rein und es kam kein Ladestrom während der Fahrt zu den Aufbaubatterien an. Der Fehler war recht simpel, am Relais für die Stromversorgung zum Aufbau war eine Steckverbindung getrennt.

In Müllheim kurz vor Basel schliefen wir bestens mitten in dem Städtchen auf dem „Viehmarkt“. In der Nähe ein uriges altes Gasthaus „Alte Münz“, dort haben wir lecker gegessen und sind sehr nett bedient worden.

An der Schweizer Grenze wurde mal wieder die Schwerlastabgabe gekauft, die berechtigt ein Jahr lang für insgesamt 10 Tage die Schweizer Straßen zu benutzen. Der Preis ist mit 32,50 Franken seit Jahren stabil, aber der Wechselkurs hat die Maut auf 27,72 Euro verteuert. Aber das ist noch immer die günstigste Möglichkeit die Alpen zu überqueren, zumal keine weiteren Gebühren z.B. für die vielen Tunnels anfallen, die die Schweiz wie den gleichnamigen Käse durchlöchert haben.    
Bei strahlenden Sonnenschein und trockenen Straßen ging die Fahrt durch die Schweiz. Vorbei am in der Sonne funkelnden Vierwaldstättersee, die schneebedeckten Berge waren mit einem Wolkenkranz verziert. Glitzernde Schneefelder und an den Nordhängen noch viel Schnee boten dem Auge einen beeindruckenden Anblick. Der Gotthardttunnel wurde seit Jahren mal ohne Stau erreicht, auch die Durchfahrt durch den 17 Kilometer langen Tunnel klappte gut. In Germignaga am Lago Maggiore bot sich ein ausgewiesener Stellplatz mit herrlichem Seeblick für eine Übernachtung an, allerdings wurden stolze 15 Euro verlangt. Als Ausgleich funktionierte die Ver- und Entsorgungsanlage nicht... Ein Spaziergang am Seestrand schloss den Tag ab.

Die Nacht war nur kurz, gegen 6 Uhr tauchte ein großes Müllfahrzeug auf, das blieb eine Stunde mit laufenden Motoren in der Nähe der Reisemobile stehen. Eine Flotte von mehreren kleineren Mülltransportern brachten die Müllsäcke aus dem Ort an den Lkw, die dort hinein gekippt wurden. Das war natürlich immer mit Lärm verbunden, also früher aufgestanden, als gewollt.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Arenzano bei Genua, an Autobahngebühren fielen in Italien moderate 12,90 Euro an. Der uns bekannte Pkw-Parkplatz direkt am Meer war zu dieser Zeit nicht mit den 2-Meter-Barrieren versehen. Den Parkautomaten haben wir leider auch diesmal viel zu spät entdeckt... die ersten 4 Stunden a 1,50 Euro, dann 1 Euro. Das Wetter war mit immerhin 16 Grad recht angenehm, allerdings pfiff immer wieder ein kräftiger Wind um die Reisemobile. Das Meer wies kleine Schaumkronen auf den Wellen auf, ob es Morgen auf der Fähre auch so windig sein wird? Der Wind entwickelte sich in der Nacht fast zum Sturm, unserer Big Grasshopper wurde kräftig durch geschaukelt. Aber irgendwann ließ der starke Wind nach und wir konnten noch einige Stunden ungestört schlafen.

Genua Hafen

Gegen 9:15 Uhr wurden die Motoren angeworfen. Entlang der Küste durch Genua erreichten wir fast problemlos nach rund einer Stunde den Hafen. Jetzt hatten wir viel Zeit, denn erst um 13 Uhr sollte das Schiff ablegen. Zu beobachten waren unzählige Kleintransporter von heimreisenden Marokkanern, die Dachladungen sahen oft abenteuerlich aus. Was da alles herausragte, vom Kühlschrank über Fahrräder bis zum Sofa. Das einfahren auf dem Lkw- und Transporterdeck war problemlos, die Abfahrt der Fähre verzögerte sich allerdings bis 14:40 Uhr.

Unsere Kabine 7016 im Bugbereich war vielleicht 10 qm mit Bad groß, soweit ganz ordentlich, nur der Teppichboden hatte längere Zeit keinen Staubsauger gesehen. Das Bad hatte so in etwa Maße wie in einem Reisemobil, nur dass unsere Dusche ein wenig größer war… Unser Abendessen im ganz ordentlichen Selfservice Restaurant war halbwegs akzeptabel, selbst preislich.

In der Nacht kam dann doch ein kräftiger Sturm auf, das Schiff schaukelte recht heftig. Irgendwann gab es einen lauten harten Schlag, wir fuhren aus den Betten hoch. Wenig später noch so ein schepperndes lautes Geräusch. Was war das? Aber es gingen keine Sirenen an... Nur keine Panik aufkommen lassen! Aber der Magen regte sich doch ein wenig, also zwei Reisetabletten eingeworfen. Diese Tabletten hatten es in sich, nach rund 30 Minuten lies der Sturm nach, der Schlaf überwältige uns wieder. Gut das wir am nächsten Morgen länger schlafen konnten. Als wir aufstanden, lag die Fähre bereits längere Zeit im Hafen von Barcelona.

Auch hier legte das Schiff mit Verspätung ab. Ein marokkanischer Polizist und ein Zollbeamter eröffneten ihr „Büro“ in der warmem und stickigen, mit Menschen überfüllten Discothek. Lange Schlangen bildeten sich, zunächst wurden die Reisepässe mit den vorher ausgefüllten Kärtchen mit den persönlichen Daten kontrolliert. Peng, es gab den Einreisestempel. Dann reihten wir uns zum Zoll ein. Unter den wartenden Marokkanern brach ein heftiger verbaler Streit aus, wer an der richtigen Stelle der Schlange stand. Der Autor hörte schmunzelnd den krachenden arabischen Lauten zu, konnte sich ein lautes „Salam“ (Frieden) nicht verkneifen. Das erzeugte ringsherum freundliches Lachen, die heiße Luft war ein wenig raus, der Beamte kam wieder zu seinem Platz zurück. 

Das Zollformular hatten wir bereits Zuhause auf der marokkanischen Zollinternetseite ausgefüllt und ausgedruckt, unsere Einreisenummer im Pass von 2005 war noch gültig. Der Beamte klimperte auf seinem Laptop und nickte zustimmend, nur der Fahrgestellnummer unseres Reisemobils hat er noch abgeglichen. Endlich, nach über 2 Stunden war alles erledigt. Am Nachmittag glitt die Fähre ruhig über die See von Barcelona Richtung Marokko.      

Tanger Med

Überpünktlich nach Ortszeit, die gegenüber der europäischen Winterzeit eine Stunde zurückliegt, legte die Fähre im modernen Hafen von Tanger Med an. Begrüßt wurden wir mit blauem Himmel, Sonnenschein und 22 Grad. Der Zollbeamte im Hafen fragte nach etwa halbstündiger Wartezeit nur noch, ob wir eine Pistole bei uns hätten? Ich habe so ungläubig gelacht und abwehrend gestikuliert, dass er mir lachend auf die Schulter schlug und die Papiere aushändigte. Die Handvoll Reisemobile wurden nicht kontrolliert, keiner musste auch nur ein Kläppchen aufmachen. Unser arabischer Spruch auf dem Alkoven hat im Hafen einige freundliche Reaktionen bei den Uniformierten ausgelöst.  

Chefchaouen

Nach dem Verlassen des Hafen Tanger Med ging die Fahrt über Fnideq Richtung Tetouan entlang an der touristisch erschlossenen Mittelmeerküste. Das erste Mal für ca. 68 Cent pro Liter getankt. Durch eine wunderschöne grüne, fast liebliche Landschaft erreichten wir am Nachmittag den Campingplatz Azilan hoch oben am Ortsrand von Chefchaouen. Oh Schreck rund 30 Reisemobile standen auf dem Platz aufgereiht, überwiegend Franzosen. Die Gebühren betrugen ohne Strom 85 Dirham (ca. 7,80 Euro), inbegriffen war WIFI-Internet mit flotter Geschwindigkeit.

Chefchaouen ist eine kleine marokkanische Stadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten Marokkos,am Rande der Ausläufer des Rif-Gebirges. Die Stadt hat etwa 62.000 Einwohner. Zum Abendessen in den Ort ging es zu Fuß endlos lange hinab. Die schöne Medina mit ihren malerischen Gassen und sehr vielen Lädchen aller Art, natürlich auch mit touristischen Krimskrams, ließen uns am ersten Tag ein wenig auf Marokko einstimmen. Viele Häuser stammen aus der Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts. Auf dem großen Platz vor der Kasbah befanden sich etliche Restaurants, hier ließen wir uns bei Kerzenschein nieder. Das Essen war erträglich, die Portionen zurückhaltend. Beim Bezahlen wollte der Kellner etwas zu großzügig aufrunden, aber das haben wir in den Griff bekommen, so wurden knapp 10 Euro für zwei Gerichte und zwei Getränke bezahlt. So ist das eben in einer marokkanischen Touristenhochburg. Das Taxi, ein uralt Mercedes 123, hinauf zum Campingplatz war mit 30 Dirham (ca. 27 Euro) für unsere Verhältnisse sehr günstig.

Das vorhandene Internet lockte, E-Mails wurden abgerufen und erste Bilder in den Reisebericht-Blog veröffentlicht. Bestens geschlafen, aber auch der ferne Muezzin weckte uns doch recht früh. So gegen 9 Uhr fuhren wir los, nachdem die Pflichten erledigt waren, die Toilette entleert und vier Kanister Frischwasser abgefüllt waren. Erst einmal wollten wir noch das heimische Wasser im Tank zum Kochen nutzen.

Die Fahrt bei herrlichem Wetter um 20 Grad führte zunächst durch eine schön anzusehende grüne und leicht hüglige Berglandschaft am Rande des Rif-Gebirges mit viel Landwirtschaft. Allerorten waren am heutigen Sonntag Menschen unterwegs, teilweise in ihrer traditionellen Kleidung mit bunten spitzen Strohhüten. Ein Markt wurde mit den Produkten der Umgebung beliefert, viele dick bepackte Esel trabten in Richtung des Marktes. Überall an den Straßenrändern wurde Obst und Gemüse angeboten, manchmal auch bunte Textilien. 

Uns war klar, wir durchfuhren das Cannabisanbaugebiet, früher ein wenig verrufen, heute unproblematisch. Auf der gesamten Fahrt waren mehrere Polizeisperren eingerichtet, man musste um die ausgelegten Krallen kurven. Wir wurden aber immer freundlich weiter gewinkt, insbesondere wenn der Gruß auf dem Alkoven erkannt wurde und die Daumen hoch gehalten wurden.

In Quazzane kurvte unser „Big Grasshopper“ durch die quirlige Kleinstadt. Der zentrale Parkplatz ließ sich leider nicht anfahren, die Zufahrt war zugeparkt, die anderen Zufahrten waren von zu niedrigen Bäumen begrenzt. Also weiter Richtung Fès durch eine immer flacher werdende grüne Landschaft.
Ein Stopp ergab den Kauf einiger Kilo Apfelsinen, die wir vorher probieren konnten, sehr saftig und besonders lecker! In der Zeit unseres Kaufes kamen die Kinder des Verkäufers und brachten das Mittagessen. Verschämt lachten sie uns an. Wir waren irritiert, das wir mitessen sollten, wir bezeichneten uns als satt. Selbst den Tee haben wir dummerweise verschmäht. Die unaufdringlichen Kinder freuten sich über einige Bonbons und zwei Kugelschreiber, dafür wurden beim Wiegen der Apfelsinen großzügig aufgerundet.

Fès

Vor Fès wurde der Verkehr dichter, immer wieder sah man viele Pkws im Grünen parken. Ganze Familien machten hier Picknick, leider ließen sie ihre Abfälle liegen, so sahen die Wiesen entsprechend aus. Hinter den mächtigen Stadtmauern unmittelbar an dem berühmten Tor „Bab Boujeloud“ zur Medina fanden wir nach zwei kleinen Ehrenrunden die Einfahrt durch die hohen Stadtmauern zu einem Parkplatz, hier ist gegen eine Gebühr von 50 Dirham auch das Übernachten im Reisemobil gestattet.
Fès ist die drittgrößte Stadt Marokkos mit etwa einer Million Einwohnern und die älteste der vier Königsstädte des Landes nach Marrakesch, Meknès, Rabat. Die Stadt wurde bereits im Jahre 789 am Platz des heutigen Viertels der Andalusier gegründet. Die lebensnotwendigen Wasserquellen um Fès, die schon früh bekannt wurden, waren sicherlich eine wichtige Bedingung bei der Auswahl des Standortes.

Fès el-Bali

Bald tauchten wir in die Medina ein. Hier in dem ältesten Teil der Stadt Bummeln, Staunen und sich betören lassen, in einer der schönsten orientalischen Altstädte überhaupt, ist enorm beeindruckend. Man glaubt sich in vergangene Jahrhunderte versetzt. Gut, damals gab es keine Internetbuden, kein elektrisches Licht, dennoch, mit ein wenig Fantasie … Die ursprünglichen Gassen sind zu schmal für den Autoverkehr, Esel oder kleine Lastkarren, die von den Menschen gezogen wurden, übernehmen den Transport der Güter.

Am Abend durchliefen wir erneut die Gassen, um das vielfältige Angebot zu betrachten, von Kleidung über Haushaltsartikel, bis zum Schmuck, Lederwaren und vieles mehr. Immer wieder wurden wir angesprochen, Führer für dies und das, ein gutes Restaurant und so weiter, dankend lehnten wir ab. Später sahen wir einen Art Flohmarkt, hunderte von Menschen säumten einen großen Platz. Jeder bot hier was an, überwiegend Kleidung und Schuhe. Staunend betrachteten wir das lebhafte Treiben vor der Stadtmauer. Eine Orientierung in den Gassen viel uns allerdings schwer, deshalb sollte der nächste Tag dazu dienen, die Sehenswürdigkeiten der Medina zu erobern.

Neben dem Parkplatz auf einem großen Platz versammelten sich am späten Nachmittag viele Menschen, die einfach nur da saßen oder den Darbietungen einiger Artisten zusahen. Unser Parkwächter wurde gut versorgt, er erhielt am Mittag von unseren Mitreisenden eine Dose Bier, am Abend von uns, die er jedes mal freudig annahm. Hoffentlich sieht Allah das nicht... Aber dafür hat er sein Höckerchen vor unserem Reisemobil gestellt und aufgepasst, oder war es nur wegen dem Schatten? 
Natürlich ist so ein Stellplatz keine Oase der Ruhe, aber der Vorteil der unmittelbar zu erreichenden Medina wiegt das locker auf. Am späteren Abend bolzten nebenan einige Jugendliche fröhlich auf der gepflasterten Fläche, kein Problem, wir wollten ja noch nicht ins Bett. Die Nacht war ruhig, bis sich in aller Frühe der erste Muezzin lautstark mit Gesang meldete. Der Schlaf war zwar noch nicht so richtig aus, aber diesen fremden Klängen zuzuhören, gehört einfach zu einer Tour in Marokko. 

Fès el-Bali zweiter Tag   

Uns wurde erst heute die Systematik der ausgeschilderten farbigen Routenführung im Fès el-Bali klar. Am frühen Vormittag haben wir uns verschiedene Attraktionen vorgenommen, zunächst umrundeten wir die hohe Mauer des Königspalastes, der an allen Eingängen bewacht war. Nur einmal kurz konnten wir einen Blick in den gepflegten Park werfen.

Dann folgten wir in der Medina der blauen Besichtigungsroute, die nur einmal ins Irre lief, da ein Schild fehlte. „Route kaputt“, meinte ein Handwerker und wies uns eine Alternative. Vorbei an der riesigen Karaouyine-Moschee, die 20.000 Menschen auf 16.000 qm fassen soll. Natürlich konnten wir nur einen Blick durch eins der 14 Tore in den schönen Innenhof werfen. Die Wächter ließen mit stoischer Ruhe das Fotografieren zu. Vorbei an der historischen Bibliothek konnten wir die Kupferkesselmacher beobachten, die gewichtige Kessel dengelten. Ein Schmied schmiedete Messer, er er uns freundlich anbot. Schreiner hämmerten, sägten und klopften. In einer sehenswerten Gasse wurden Hochzeitsthrone hergestellt, welch eine fremdartige Pracht. Die elektrische Beleuchtung wurde witzigerweise mit Sparleuchtmitteln ausgeführt. Ob das Brautpaar lebenslang dort sitzen musste? 

Durch die schmuddeligen Gasse der Stofffärber gelangten wir in den Lebensmittelsouk, was gab es da nicht alles zu sehen! Die Auslagen der vielen Metzger wurden mit abgehackten Kamelköpfen und -hufen garniert, manchmal blickte uns noch ein Auge an, ein aparter Anblick. Gemüse, Obst, Oliven und vieles mehr vervollständigte das Angebot. Die Menschen drängelten sich durch die weitgehend überdachten Gassen, immer wieder ertönte ein „barak, barak“ (Achtung, Achtung) wenn sich ein beladener Esel samt Treiber seinen Weg durch das Gewühl bahnte. Alles in allem ein fantastisches orientalisches Geschehen, die Geräusche, die Gerüche, eigentlich unbeschreiblich.
Jetzt fehlte noch das alte Gerberviertel Sidi Moussa, der Lageplan des Reiseführers half, damit haben wir das Viertel nach ein wenig suchen auch gefunden. Vor uns lärmte eine große Gruppe Holländer, die Männer teilweise in netten karierten Shorts, die von den Marokkanern belächelt wurden Schnell schlüpften wir in einen Lederladen, der den Blick von der Terrasse „free“ anbot. Sogar erträgliche Toiletten wurden geboten. Wir wussten schon was auf uns zukam, wenn wir so einen Laden betreten...
Der Anblick von der Terrasse, die wir nach einigen Minuten alleine für uns hatten, in den Innenhof der Gerber war ein bemerkenswertes Erlebnis. In schwerster Handarbeit werden hier Felle gegerbt und gefärbt. Die verschiedenen Arbeitsgänge vom Enthaaren bis zum Waschen konnten teilweise beobachtet werden. Es gab unendlich viele Bottiche zum waschen, kalken und färben. Die Arbeiter stampften in den Gefäßen herum und nahmen die Farben der Inhalte an, gesund kann das nicht sein. Auf den Dächern lagen Lederstücke zum trocken, die kostbarsten waren mit Safran gefärbt. Lange haben wir zugeschaut, der eigentlich permanente und Übelkeit erregende Gestank, den wir hier 2005 erlebt haben, war kaum zu riechen, stand der Wind günstig?

Natürlich wurden wir animiert, die schöne Lederausstellung zu besuchen. Na ja, die Damentaschen waren so schwer, dass man sie schon leer kaum als bequem empfand. Für den Herrn lag ein fein gearbeiteter passender Lederhut bereit. Der genannte Preis lautete 500 Dirham. Lachend habe ich mich bei dem Preis abgewendet, natürlich kam die Frage, was ich bieten würde? 100 Dirham! Das Entsetzen stand dem Verkäufer im Gesicht (guter Schauspieler), das wäre zu wenig, gut nach ein wenig zögern bot ich 150 Dirham. Das war auch zu wenig, also wendeten wir uns ab, um zu gehen. Jetzt waren plötzlich die 150 Dirham akzeptabel, also war der Kauf perfekt, so kostete der schicke Lederhut etwa 13,50 Euro. 10 Dirham Trinkgeld für die freundlichen Erklärungen auf der Terrasse und waren auch noch drin.

Erst am Mittag erreichten wir wieder unser Reisemobil. Nach einem Snack mit marokkanischen Pfannkuchen, wollten wir weiter Richtung Midelt fahren. An der Ausfahrt des Parkplatzes wurde noch eine Parkgebühr für den Tag verlangt. Der Parkwärter machte in verschlossenes Gesicht, als ich auf die Übernachtungsgebühr verwies. Aber ein Döschen heimisches Bier für 44 Cent (mit Pfand) ließ das Gesicht des Parkwächters strahlen, von einer Parkgebühr war keine Rede mehr.

Auf ging es, aber wir erwischten die falsche Richtung, ein passendes Schild Richtung Midelt gab es nicht. Auch die Nachfrage an einer Polizeisperre brachte uns auch nicht auf die richtige Fährte. Ein Schild wies zur Autobahn nach Meknès. Warum nicht sagten wir uns, und entschieden uns spontan für dieses Ziel. Die piekfeine neue Autobahn kostete 19 Dirham Maut. Interessant war, das gezogene Ticket an der Mautstelle wies unser Kennzeichen aus! Wenn das der marokkanische Datenschützer liest...     

Meknès

Auch in Meknès gibt es einen Parkplatz nah der Medina an der hohen Stadtmauer, den wir problemlos fanden. Die Gebühren für die Nacht betrugen 40 Dirham, bis zum späten Nachmittag fanden sich rund 10 Reisemobile ein. 

Meknès gehört zu den vier Königsstätten Marokkos. Die Stadt zählt rund 600.000 Einwohner und wurde Anfang des 10. Jahrhundert von den Stamm der Meknèssa an den Ufern des Flusses Boufekrane gegründet. Die ursprüngliche Königspalast des etwas größenwahnsinnigen Mulay Ismail existiert nicht mehr. Der Bursche soll 500 Frauen in seinem Harem gehalten und mit diesen 1.000 Kinder gezeugt haben...

Nach einer kurzen Pause schlenderten wir über den großen belebten Platz „Place El Hedim“ bewunderten das berühmteste Tor Marokkos, das Bab El Mansour mit wunderbaren Kachelverzierungen. Bald tauchten wir in die Tiefen der Medina, bzw. des Souks ein. Ganz anders wie in Fès, recht ursprünglich und wenig auf Touristen eingestellt, wie unangenehm! Hier kauften die Einheimischen Textilien, Schuhe, Haushaltswaren und allen möglichen Kleinkram für den täglichen Bedarf. An einem ambulanten Stand erstanden wir große Kokosmakronen, frisch gebacken und sehr lecker, so das zwei nachgekauft wurden, das Stück 1 Dirham. Der ältere Verkäufer strahlte, als wir wiederkamen und die leere Tüte hinhielten.

Wieder gab es unendlich viel zu sehen. In mehreren Gassen wurden Garne fabriziert, die Fäden wurden hier einfach über 10 Meter und mehr aufgespannt und per Hand mit einem Gerät gedreht. Die modernen Produzenten der Garnwirker hatten einen kleinen elektrischen Antrieb in der Hand. Das Klappern der Wickelmaschinen drang durch die Gassen. Natürlich wurden die bunten Garne, die in der Regel zu Bändern weiter verarbeitet wurden, auch an vielen kleinen Verkaufsstellen angeboten. Schreiner werkelten an anderer Stelle, kunstvolle Wand- und Deckenverkleidungen wurden hergestellt. Steinmetze klopften vorsichtig formvollendet Schriften und Verzierungen auf Steinplatten in allen Größen.

Dann stießen wir auf einen großen Straßen-Souk, staunend bleiben wir zunächst stehen, um das bunte Bild auf uns einwirken zu lassen. Die Menschen drängelten sich in Scharen dicht an den Ständen vorbei. Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräte und Krimskrams aller Art waren im Angebot. Das laute Rufen der Händler, das Geschwätz der Leute, einfach sehens- und hörenswert. Auch die Nase bekommt einige fremde Gerüche ab, aber nicht unangenehm. Im übrigen wurden wir nicht belästigt, nur immer wieder mal freundlich begrüßt, manchmal sogar mit Handschlag. 

Am Ende dieser Straße liefen wir durch die Lebensmittelhallen, schon wieder große Augen machen. Alles war zu haben, lebende Tiere, appetitliches Fleisch, frisches Gemüse und fein dekorierte Gewürze, kunstvoll aufgebaute Oliven und eben alles was die marokkanischen Küche so braucht. Uns genügten heute zwei frische große Fladenbrote, die hier besonders lecker waren. 

Die gut zwei Stunden Rundgang durch den Souk endeten wieder auf dem Place El Hedim, der inzwischen sehr belebt war. Mit Angeln und einem Ring an der Schnur konnte man gefüllte Getränkeflaschen gewinnen, wenn man es schaffte den Ring um den Flaschenhals zu werfen. Wir haben niemanden beobachtet, dem das gelang. Ein Schlangenbeschwörer zog die bessere Hälfte in die Mitte des Kreises und legte ihr eine Schlange um den Hals, was von einem anerkennenden Lachen der Zuschauer begleitet wurde, da sie noch nicht einmal zuckte. Nur als sie die Schlange auch noch küssen sollte, hörte der Spaß ein wenig auf. Für das Fotografieren wurden natürlich einige Dirhams in den Fes des Künstlers geworden.

Nach fast sieben Stunden Rundgängen an diesem Tag und die des Vortages meldeten sich die Waden, erschöpft legten wir die Füße im Reisemobil hoch. Wie viele Kilometer sind wir allein bergauf und bergab in Fès gelaufen? Aber jeder Schritt hat sich uneingeschränkt gelohnt! Ein herrlicher Tag, mit um die 21 Grad angenehm warm, ein genau so herrlicher Tag für die Augen, die viele neue Bilder unauslöschlich gespeichert haben. So haben wir uns die Städte vorgestellt, aber wenn man mitten drin ist, dann werden die Erwartungen noch übertroffen. 

Die Nacht war viel ruhiger als gedacht, selbst die Muezzine haben wir morgens nicht gehört. Vormittags schlenderten wir in den ursprünglichen Bereich der s.g. Königsstadt, die allerdings schon vor langer Zeit geschleift wurde. Durch das Bab el Mansur mit den gewaltigen Mauern erreichten wir den Platz Lalla Aouda, dem früheren Aufmarschplatz der schwarzen Garden. Durch das Tor des Windes gelangten wir an das Mausoleum des Mulay Ismails, der einzige König der hier anno dazumal residiert hat, dennoch wird Meknès noch heute als Königsstadt bezeichnet.

Der Eintritt in das ansehnliche Mausoleum ist kostenlos, allerdings wird von dem Wärter eine Spende für die Moschee erwartet, als Vorlage lag eine 10 Dirham Münze auf dem Stuhl. Durch die schlichten Vorräume ohne Dächer gelangt man zu dem kunstvoll im maurischen Stil ausgestatteten Vorhalle, von dessen wir einen Blick auf die prachtvolle Grabstätte des Moulay Ismail werfen durften, fotografieren ist gestattet. Den weißen Sarkophag flankieren bemerkenswerterweise zwei barocke Standuhren, die in dem orientalischen Dekor fremdartig anmuten. Sie waren ein Geschenk des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. an Moulay Ismail. Andächtig und zunächst völlig allein staunten wir über die Pracht, bis eine Gruppe auftauchte und wir uns flott unsere Schuhe wieder anzogen.

Der freundliche und gut deutsch sprechende Basarbesitzter des Mausoleum gegenüber zeigte uns viele kunstvolle mit Silber ziselierte Metallfiguren. Wir fragten nach einen kleinen Löwen, schon eilte er davon in das Lager. Wir haben sicherheitshalber nicht nach dem Preis des ca. 25 cm hohen Löwen gefragt, leider zu groß für unsere Sammlung. Ungefragt wurden 4.000 Dirham genannt, als wir gegangen sind, sollte er nur noch 2.000 Dirham kosten, und das ohne handeln! Aber um die 180 Euro Euro wollten wir für den sicherlich wunderschönen Löwen nicht ausgegeben.

Auf weitere Besichtigungen verzichteten wir, so bummelten wir zum Parkplatz, zahlten unsere 40 Dirham und suchten die Straße Richtung Mulay Idris. Das gelang erst nach einigen Ehrenrunden, den eine Beschilderung ist nicht vorhanden, die Marokkaner kennen sich halt aus. Dennoch, irgendwann hatten wir das richtige „Loch“ gefunden. Nach etwa 30 Kilometern erreichten wir Volubillis.  

Volubilis

Wunderschön in einer Hochebene in einem flachen Tal liegt die römische Ruinenstadt. An der Stichstraße zum Parkplatz wurde heftig gewunken, unser Reisemobil sollte auf einem schlecht zugänglichen Parkplatz an einem Haus fahren, dankend lehnten wir ab. Wir schauten uns den Stellplatztipp von Edith Kohlbach an. Zunächst übersahen wir das kleine Hotel, denn nach dem Bildchen im Führer war die Mauer vor der Terrasse weiß, jetzt war sie dunkelrot. Kaum sah uns der Inhaber des kleinen Hotels, kam er mit dem Führer von Edith Kohlbach in der Hand über die Straße gelaufen. Lachend zeigten wir unser Exemplar. Wir bedeuteten zunächst Volubillis zu besichtigen und dann zurück zukommen.

Der Parkplatz an der Ruinenstadt kostete 10 Dirham für die Bewachung. Der ordentlich deutsch sprechende Besitzer des Souvenirshops fragte uns aus, er lud uns natürlich in sein Geschäft ein. Strahlend erzählte er, dass er oft die Fußballbundesliga schaut, Borussia Dortmund wäre Spitze. Aber auch die anderen führenden Vereine konnte er aufzählen.  

Erst einmal zahlten wir weitere 10 Dirham pro Person Eintritt und wehrten die Nachfragen ab, ob wir einen Führer benötigten. Gemächlich schlenderten wir los. Die 40 ha umfassende Ruinenstadt ist die größte Ausgrabungsstätte in Marokko und ist insbesondere für die gut erhaltenden Mosaikböden bekannt. Gegründet wurde Volubillis schon im Jahr 25. Ein imposanter Triumphbogen, das Forum und die Grundrisse vieler Häuser sind anzuschauen. Unter den Steinplatten der langen Hauptstraße führte die Wasserleitung entlang. Immer wieder verzauberte die ruhige Atmosphäre dieses Ortes, der in seiner Blütezeit von etwa 10.000 Menschen bewohnt wurde.
Den Shop haben wir auch besucht, tolle Fossilen, Schmuck und die üblichen Mitbringsel wurden angeboten. Der Besitzer seufzte, warum wir nicht nach einem Preis fragen, er wollte mit uns handeln. Freundlich erklärten wir, es wäre für uns nichts dabei. Das brachte in auf Touren, er pries an und argumentierte, wen man das alles schenken könnte. Er wollte sogar tauschen, Kleidung, Schuhe usw. dann wäre es noch billiger. Der arme Mann tat uns fast leid, denn der bescheidene Touristenstrom wurde wegen einer vorübergehenden Verlegung des Einganges von seinem Shop abgelenkt. Dann bat er noch um Souvenirs für seine Kinder, oder Mineralwasser mit Gas. Wir verabschiedeten uns freundlich, er winkte uns nach und wünschte eine gute Reise.

A I'ombre des Oliviers

Der Parkplatz des kleinen Hotels lag zwar direkt an der Straße, aber mit weitem Blick über das Tal, auf die Ausgrabungsstätte. Zwei Kinder bewachten eine langsam vor sich hin grasende Schafherde, waren um Bonbons nicht verlegen. Da sie nur einmal bescheiden gefragt haben und nicht lästig wurden, haben wir uns nach einiger Zeit freiwillig erweichen lassen. Mercie, mercie… Nach ein wenig Relaxen besuchten wir die gemütlich dekorierte Terrasse des Hotelrestaurants. Eine Speisenkarte gab es nicht, nur ein Gericht wurde geboten, Couscous. Zunächst orderten wir bei Chefe Hassane Khatri ein Kännchen Tee, das mit reichlich Gebäck serviert wurde. Eine große Flasche Mineralwasser stand auch bald auf dem Tisch. Zwei französische Paare mit Kindern warteten ebenfalls auf ihr Essen, sie waren Hotelgäste. Dann kam eine große Platte Couscous, voll mit verschieden Gemüsen, Hähnchenbrust und -flügel, nett dekoriert. Das Ganze war heiß und saftig zubereitet, ausgesprochen lecker. Aber so überreichlich, wir konnten die Menge nicht bewältigen. Zum Nachtisch gab es zwei große Orangen, die wir wegen des außerordentlichen Sättigungsgrades mitnahmen. Wir zeichneten drei Sterne „bon bon bon“ auf eine Visitenkarte für das 1a Essen und verliehen diese der „Chefin“ an der Kasse, die Reaktion war herzlich. Sofort wurde die „Auszeichnung“ der Köchin gezeigt, der Mutter? Auf jedem Fall haben sich die Frauen gefreut, das war Verständigung ohne französische Sprachkenntnisse. Das Festmal kostete 140 Dirham (ca. 13,60 Euro), der Stellplatz war sozusagen inklusive. 

Mulay Idris

Ganz so ruhig wie der Parkplatz beschreiben war, war es nicht, bis Mitternacht fuhren immer wieder Fahrzeuge vorbei. Aber später wurde es doch ruhiger, allerdings gegen 4 Uhr rumpelte ein Lkw vorbei, dann immer mehr Fahrzeuge. So gut wie das Essen war, der Parkplatz an der Straße ist nur für hartgesottene Camper, oder man stopft sich Stöpsel in die Ohren. 

Die heilige Stadt Mulay Idris (Name des Gründers der Stadt im Jahr 788) liegt inmitten grüner Anhöhen auf zwei Hügeln. Früher durften keine Ungläubigen die Stadt besuchen, aber heute ist nur noch der heilige Bezirk tabu. Nicht so betuchte Marokkaner unternehmen als Ersatz der Hadj nach Mekka gerne drei Pilgerfahrten nach Mulay Idris. Allerdings sind diese nach dem Glauben der Muslime nicht anerkannt. Ausgefallen und interessant ist der runde grüne Moscheeturm mit Suren aus dem Koran. Dieses zylindrische Minarett der Sidi-n-Tizi-Moschee ist einzigartig in Nordafrika. Per Zufall haben wir einen guten Parkplatz in der Nähe erwischt. Dann schlenderten wir in das Zentrum hinunter und mal wieder über einen Markt. Von einem älteren Mann mit sanierungsbedürftigen Gebiss wurden wir angesprochen, er radebrechte in Deutsch und erklärte, seine Frau arbeite in Berlin. Hm, sagten wir uns später, hoffentlich für ein neues Gebiss!

Auf dem zentralen Platz des Grünen Marsches gelangt man zu dem Mausoleum, hier durften wir nur einen Blick in den ersten Innenhof des heiligen Bezirkes werfen. Gestattet wurde uns auf Nachfrage von dieser Stelle ein Foto. Auch hier vorbei an Verkaufsständen, speziell für die Pilger, an denen unter anderen bunte Kerzen, Amulette und Räucherwerk verkauft wurden. Die im Reiseführer beschriebene Aussichtsterrasse haben wir uns erspart, der noch nicht abgeklungene Muskelkater in den Waden dankte es.

Fahrt nach Midelt

Weiter ging die Fahrt, zunächst zurück nach Meknès, diesmal durchquerten wir die Stadt ohne Probleme und fanden auf Anhieb die Landstraße nach Ifrane, indem wir uns Richtung Autobahn orientierten. Der dortige Campingplatz Municipal war geschlossen, aber es war in dieser gepflegten Kurstadt auch der Hund begraben. Am Rande der breiten Alleen lag noch ein wenig Schnee, der Winter war offensichtlich dieses Jahr recht ergiebig gewesen.

An einer Landstraße lagen immer wieder Hunde, die jedem Fahrzeug hinterherschauten, als wenn sie mitgenommen werden wollten. Die Fahrt durch den Nationalpark von Ifrane ließ uns staunen, überall größere Flächen von noch nicht weggetautem Schnee, die Temperatur sank bis auf 9 Grad. Ein Stopp bescherte uns einen Blick in einen Zedernwald, muntere Affen turnten hier zur Belustigung einiger junger Marokkaner herum. In der Nähe von Azrou stoppten wir kurz an dem außerhalb liegenden Campingplatz Amazigh, dort standen sogar einige Reisemobile, aber was sollten wir hier am frühen Nachmittag?

Angesehen haben wir uns noch eine Raststätte am Ortsrand von Zeida, die sich für eine Übernachtung eignete. Aber es war dort so trostlos, dass wir entgegen unserer ursprünglichen Absicht bis Midelt weiter fuhren. Den dortigen Campingplatz Municipal fanden wir auf Anhieb, so konnten wir noch ein wenig die Nachmittagssonne genießen, obwohl es hier auf ca. 1.795 Meter Höhe nicht so sehr warm war. Das erst 2009 renovierte Sanitärgebäude konnte schon wieder eine Sanierung gebrauchen. Das ist ein weit verbreitetes Phänomen in Marokko, die fehlende Pflege. Die Innenstadt wurde natürlich auch erkundet. In einer Fußgängerzone fand ein Sondermarkt mit vielen Ständen statt, das Volk kaufte, als wenn es das letzte Mal was gäbe.

Ein kleines Straßenrestaurant fanden wir erst nach längerem Suchen. Wir haben uns zu einer s.g. Berber Pizza verführen lassen, eine angebliche Spezialität des Restaurants. Das war nicht der Renner, zunächst lauwarm, wurden die Pizzen (auf Fladenbrot!) nochmal warm gemacht. Aber zufrieden waren wir nicht, das haben wir auch gesagt. Kostenlos wurde uns eine dampfende Tajine hingestellt, aber wir haben abgelehnt, uns war der Appetit vergangen. Beim Bezahlen wurde immerhin freiwillig ein kleiner Preisnachlass gewährt.
 
Junge Leute unterhielten uns, einer holte seinen „Verwandten“, der sprach gut deutsch. Der lud uns, welch eine Überraschung, in seinen Shop mit Schmuck und Teppichen speziell nach Berberart ein. Warum nicht, wir schauten in den kleinen bescheidenen Shop in einer Nebengasse rein. Aber als Teppiche ausgerollt werden sollten, haben wir klar gemacht, wir wollen nichts kaufen, außerdem sei es uns kalt. Aber einen Tee trinken und anschauen, das könnten wir doch! Nein Danke, die Arbeit solle man sich sparen! Schnell haben wir uns verabschiedet, die Enttäuschung stand dem an sich netten jungen Mann ins Gesicht geschrieben, der ja auch noch seine Schmuckauswahl zeigen wollte. Im Reisemobil haben wir bei 9 Grad Außentemperatur die Heizung angemacht und einen Ouzo getrunken, um Montezumas Geister einzulullen. 

Camping Source bleue de Meski

Die Nacht war ruhig, strahlender Sonnenschein weckte uns am kühlen Morgen, bei nur geringen Plusgraden. In der Nachbarschaft klapperten die Störche. Nach dem gemütlichen Frühstück wurde das Mobil zum ersten Mal von innen sauber gemacht. Dann Frischwasser aufgefüllt und die Toilette entleert, so konnte die Fahrt unbeschwert fortgesetzt werden. Bezahlt haben wir 45 Dirham, Strom wäre sogar inklusiv gewesen. Da kann man über die teilweise maroden Sanitäreinrichtungen hinwegsehen.
Die Fahrt ging durch eine großartige, immer karger werdende Landschaft, Steinwüsten und rötliche Berge. So langsam kam Wüstenstimmung auf. Nach dem kurzen Tunnel der Legionäre durchfuhren wir die Gorges de Ziz, später vorbei an einem Stausee, alles attraktiv anzusehen. Bei einem Fotostopp wollte in junger Mann ein sehr gut geflochtenes (3D) Kamel mit Packtaschen verkaufen, 3 Euro wollte er haben. Wir sind uns beim Preis nicht einig geworden, zumal wir das Tierchen sooo notwendig brauchten...  

Gegen Mittag erreichten wir Ar-Rachidia. In einer Markthalle mit Vollsortiment vom Metzger bis Gemüse, wurden die Vorräte günstig vervollständigt. Bald fanden wir den Campingplatz Source bleue de Meski. Eigentlich wollten wir nur einen Stopp dort machen und dem Besitzer einer der Souvenirshops, Hasan, zwei Fotos von unserer Tour 2005 von ihm und seiner Familie schenken. Beim Tee und lustigem Gespräch mit Hasan haben wir uns entschlossen eine Nacht zu bleiben. Bei 40 Dirham einschließlich Strom viel die Entscheidung nicht schwer, allerdings war der Autor auch hier zu faul das Kabel herauszuzerren. 

Unser Mobil stand zunächst noch fotogen vor der Einfahrt des Campingplatzes, schnell ein Bild gemacht. Aber da war von hinten ein Esel und eine Frau im Bild, ein junger dunkelhäutiger Mann monierte das Foto, keine Frauen fotografieren sagte er und wurde fast ein wenig aggressiv. Ich lenkte ein und klickte am Apparat herum und machte ein neues Foto ohne den Esel. Aber irgendwie habe ich die falsche Taste erwischt, das erste Foto war noch da... An der Rezeption wurde uns ein umfangreichen Doppelformular ausgehändigt, was hier alles abgefragt wurde! Aber egal, das ist eben hier so üblich. 

Hasan erzählte freudestrahlend, Nachwuchs stände in Kürze an. Was sagte der ganz gut deutsch sprechende Schlawiner? „Maschin noch nicht kaputt!“ Na dachten wir, dann könnten wir einen kleinen Teil der Kinderkleidung unserer Enkel tauschen, denn er fragte nach alles Möglichen zum tauschen gegen sein Angebot. Fahrrad? Laptop? Handy? Kleidung? Jacken? Sportschuhe? Campingstühle?

Wir schauten uns aus der großen Auswahl zwei Decken aus Kamelwolle an. Jetzt fing das schachern an, er meinte, die beiden Decken würden sonst 1.200 Dirham kosten, aber mit den zwei Tüten Kinderkleidung 800 Dirham. Das war uns zu teuer, die bessere Hälfte bot 200 Dirham. Das ginge nicht, das wäre doch Handarbeit und die Wolle wäre vom Kamel (hoffentlich). Irgendwann waren er bei 400 Dirham. Gut lenkte ich ein, eine weitere Tüte Kinderkleidung habe ich noch, natürlich haben wir diese, wohlweislich der Verhandlungstaktik wegen, im Reisemobil gelassen. Schließlich einigten wir uns nach zähen Verhandlungen mit viel Lachen auf 250 Dirham (knapp 23 Euro) mit der dritten Tüte Kinderkleidung. Uns gefielen die beiden Decken, denn der Grünton passt gut zum Reisemobil. Hasan freute sich über reichlich Kinderkleidung, also waren offensichtlich beide Seiten zufrieden mit dem Geschäft. 

Der warme und sonnige Nachmittag mit bis zu 24 Grad lud zum relaxen ein, also die Stühle in die Sonne gestellt. Der Campingplatz liegt sehr schön unter Palmen an einer Quelle. Ein Schwimmbecken wird von dem Wasser gespeist, aber einladend war das kalte Wasser nicht. Die nicht mehr sonderlich ansehnlichen Sanitäranlagen haben sich seit 2005 nicht verändert, aber immerhin funktionierte alles. Aber wir nutzen solche Anlagen sowieso nicht, für die Körperpflege bietet unser „Big Grasshopper“ mehr Komfort. Hin und wieder kamen halbwüchsige junge Männer an das Mobil, einer „schenkte“ uns ein schlicht geflochtenes kleines Kamel und fragte dann nach einem Dankeschön. Gut, einige Bonbons und ein dicker Kugelschreiber war als Gegenleistung drin, schließlich war das nicht reines Betteln. 

Erg Chebbi

Nach einer wunderbaren ruhigen, aber kühlen Nacht verabschiedeten wir uns von Hasan, der natürlich hoffte, wir würden noch etwas bei ihm kaufen. Nun, da hatte er Pech gehabt. Wir rollten gemächlich Richtung Erfoud und Rissani durch die weite Steinwüste. Durch das mit Palmen bewachsene Ziz-Tal führte die Straße in das Gebiet des Tafilalet. Unterwegs ein schöner Aussichtspunkt, eine große Oase im Tal gelegen mit vielen Dattelbäumen und natürlich Palmen. Wir wurden angesprochen, eine Tagestour mit Allradfahrzeug in die Sandwüste mit Essen sollte stolze 2.000 Dirham kosten. Wir nahmen zwar die Visitenkarte an, aber für den Preis werden wir mit Sicherheit keine Tour machen. Weiter ging die Fahrt, fast ganz Erfoud war eine staubige Baustelle, die Straßen werden erneuert, aber die Hauptstraße war halbwegs passierbar.

Erfoud ist eine Stadt im Osten von Marokko am Rande der Sahara mit rund 30.000 Einwohnern. Die Stadt ist bei Filmmachern als Kulissenstadt sehr beliebt und so wurden dort z.B. die Filme „Die Mumie“ oder der „Prince of Persia“ gefilmt. Die Umgebung Erfouds ist reich an Fossilien, die man auch unterwegs dauernd angeboten bekommt. Steinschleifereien fertigen kunstvoll Tischplatten und Waschbecken an, sowie andere Utensilien.

Gegen Mittag erreichen wir Rissani, an der Einfahrt des Ortes ein schöner, prachtvoll verzierter Torbogen. Kein Stopp hier, die aufdringlichen Händler des Souks sind uns von unserer Tour 2005 unangenehm in Erinnerung. Selbst in aktuellen Reiseführern wird davor gewarnt. Es war gerade Schulschluss, viele Jugendlichen strömten auf die Straße, die meisten mit einem Fahrrad. Da heißt es gut aufpassen, denn die Kids nahmen ohne sich umzudrehen die ganze Fahrbahn ein.
Jetzt wurde es interessant, die „richtige“ Wüste beginnt. Die Straße Richtung Merzouga war schnell gefunden. Der Erg Chebbi ist eine der zwei Ergs in Marokko, große goldschimmernde durch Wind geformte Dünen, die eine Höhe von bis zu 160 Meter erreichen. Das gesamte Erg hat aber nur eine Ausdehnung von von rund 20 Kilometer in der Länge und ist bis zu fünf Kilometer breit, im Vergleich zu dem riesigen Gebiet der algerischen Erg Occidental eigentlich nur ein netter Sandkasten. 

Kasbah Erg Chebbi

Wir haben uns die Kasbah Erg Chebbi ausgesucht, die kürzlich von zwei jungen Leuten übernommen wurde. Diese Kasbah liegt am nächsten an den höchsten Dünen des Erg Chebbi. Statt der kurzen Piste, sind wir eine Ausfahrt vorher auf eine Pistenstraße abgebogen. In der Ferne tauchte bald die imposante Kulisse der der Dünen auf. Rund 10 Kilometer hoppelten wir über die zum Teil Waschbrettpiste, also schön langsam fahren. Da war sie, die Kasbah Erg Chebbi, eine der vielen Reifenspuren führte auf das Tor, das war die falsche Entscheidung. Schon saßen wir im Sand fest, nur 50 Meter vor der Einfahrt! Dann mit den Klappspaten die Räder frei geschaufelt und die Gummianfahrhilfen unter die Hinterräder gelegt. Beim zweiten Versuch klappte es, mit Vollgas rückwärts rumpelte es etwas, dann waren die 20 Meter Sand geschafft. Tja, hätte man genauer geschaut, dann hätte der Pilot auch die festere Zufahrt erkennen können.  

Wir wurden freundlich begrüßt, ein Partner der Betreiber ist in Österreich geboren, der zweite Inhaber hat fünf Jahre in Deutschland gelebt und studiert, mit der Verständigung gab es daher keine Probleme. Unser Stellplatz direkt an den Dünen war genau so, wie wir es uns gewünscht hatten. Um uns bei fast 27 Grad zu akklimatisieren, setzen wir uns auf die großzügige Terrasse und schlürfen einen Begrüßungstee. Dann die Stühle aufgeklappt und ein wenig relaxt.

Gegen 16 Uhr rüsteten wir uns mit Wasser und vorsichtshalber mit warmen Jacken im Rucksack, um auf den Dünen den Sonnenuntergang zu erleben. Den Autor packte der Ehrgeiz, eine der hohen Dünen des Erg Chebbi mit um die 150 Meter musste erklommen werden. Das war schon ordentlich anstrengend, der eine oder andere Dünenkamm dorthin konnte kurzfristig nur in Vier-Extremitäten-Antrieb (auf allen Vieren) erreicht werden. Eine tolle Aussicht entschädigte für die Anstrengung, während die bessere Hälfte sich es auf dem halben Weg im warmen Sand gemütlich gemacht hatte.

Ein Blick in das Tal der anderen Seite des Erg offenbarte einige feste Wüstencamps für die Übernachtungstouren mit Allradfahrzeugen. Diese Camps verfügen sogar über Toilette und Dusche. Nichts mit authentischem Berberzelt im Sand schlafen und Getier aus der Umgebung auf der Matratze, schade, so „komfortabel“ wollten wir das nun auch wieder nicht. Fast 2 ½ Stunden kraxelten wir durch den Sand. Zum Schluss beobachteten wir den herrlichen Sonnenuntergang. Im Abendlicht schimmern die Dünen gelbrot, die Schatten lassen die Dünenlandschaft verzaubern. Wir schauten andächtig, wie die Sonne in der Ferne tiefrot hinter einem Bergrücken verschwand. Dann strammen Schrittes zum Reisemobil zurück, denn nach dem Sonnenuntergang wird es sehr schnell dunkel.

Erfreut erfuhren wir, eine Gebühr für das Parken fällt nicht an, wenn wir hier essen. Wir konnten uns dem Menü der etwa ein Dutzend Hotelgäste anschließen. Das Restaurant war stilvoll eingerichtet, der Kellner in traditioneller Kleidung servierte eine Suppe, ein Nudelgericht, ein Hühnchengericht mit Gemüse, drei Sorten Obst und einen sehr süßen Nachtisch aus Schokoladencreme. Wir waren sehr zufrieden, nur den Kaffee gaben wir zurück, das war Nescafe, den mögen wir nicht. Mit einer Flasche Mineralwasser und marokkanischem Rotwein aus der Region Meknes kostete das Menü für uns zwei 310 Dirham, also etwa 27 Euro, das fanden war Angesichts des umfangreichen Menüs mit Wein akzeptabel. 

Zweiter Tag Erg Chebbi

Nachdem die Wasserpumpe gegen 21:30 Uhr ihre Tätigkeit einstelle, schloss sich eine wunderbare ruhige Nacht an. Natürlich sprang irgendwann morgens die Pumpe für die Hotelgäste wieder an, aber das störte kaum. Aus dem Alkovenfenster zunächst die frühe Sonne beobachtet, mit freiem Blick über die Dünen, Traumhaft. Heute nehmen wir uns frei, erst für den späten Nachmittag haben wir zwei Kamele bestellt, nein nicht zum grillen, sondern die Tiere sollen uns (zwei Dromedare 400 Dirham) durch die Dünen erneut zum Sonnenuntergang führen.

Ein Spaziergang zu den ruhenden Dromedaren, die hier beharrlich Kamele genannt werden, ergaben einige hübsche Ansichten, die fotografiert werden mussten.
Eine Besichtigung der Kasbah durch die Innenhöfe offenbarte die teilweise noch in der Renovierung befindlichen Trakte. Der erste Innenhof ist als Garten angelegt, ringsherum verteilen sich die bezugsfertige Zimmer, nett anzusehen. Das kleine Swimmingpool im weiteren Innenhof war kühl und ein wenig versandet. Interessant war die Warmwasserbereitung, der „Boiler“ wurde mit Holzkohle befeuert. Der Inhaber Mohammed Boumesaoud fragte nach etwas „Kühlem“, er freute sich über Apfelsaft aus unserem Kühlschrank. Der Platz zwischen Dünen und Kasbah wurde mit einem Traktor und einer Art Egge vom Sand befreit, wegen dem Staub und des Lärms waren wir froh, als die Aktion beendet war.  

Um 16:30 Uhr lagen die Dromedare bereit, wir konnten aufsitzen. Schön festhalten wenn die Tiere sich aufrichteten, aber der Sattel war mit zwei massiven Eisengriffen versehen, kein Problem. Und schon schaukelten wir los, unser junger Führer schlurfte vor uns her. Herrlich in den Dünen geritten, rauf und runter schwankten die Tiere, insbesondere wenn der Sand weich war. Die Neigungen waren manchmal bedenklich, aber das kam wahrscheinlich nur uns Europäern so vor. Unser Bursche versuchte zum Schluss an einer steileren Düne keuchend mit den Händen eine Trittspur frei zumachen, aber nach zwei Schritten schüttelte das Leittier den Kopf, was der Führer sofort akzeptierte. Nach einer ¾ Stunde rutschten wir also von den Sätteln, denn die Sandberge waren für die Dromedare nicht mehr zu schaffen. Die Tiere wurde sitzend und an einem Bein gefesselt zurückgelassen, das letzte Stück zu den hohen Dünen des Erg Chebbi stapften wir zu Fuß. Auf einem Dünenkamm warteten wir den Sonnenuntergang ab, fast eine Stunde verbrachten wir dort oben, immer wieder schweiften unsere Blicke über die formvollendeten Dünen. Der Autor konnte es wieder nicht lassen, er kletterte ganz nach oben, dort saß man rittlings auf der Sandkante. Herrlich, herrlicher, am herrlichsten … Nach gut 2 ¼ Stunde waren wir mit Einbruch der Dunkelheit wieder an der Kasbah. Unser vielleicht 16 Jahre alter „Schlurfi“ hat seine Sache gut gemacht, das war ein anständiges Trinkgeld wert.

Nach diesem fabelhaften Erlebnis gönnten wir uns wieder ein leckeres Abendessen im schönen Restaurant der Kasbah. Heute gab es Tajine, für die Zubereitung wird normalerweise ein Tontopf mit spitzhaubigen Deckel verwendet. Allerdings war das Gefäß hier ein Metalltopf, aber den spitzen Deckel gab es auch. Es gibt unendlich viele Zubereitungsmöglichkeiten. Unsere Tajine war der Klassiker, mit Gemüse, Kartoffeln und Hühnchen, heiß und sehr lecker. Als Vorspeise wurde ein leckerer Nudelsalat gereicht und wieder Obst als Nachtisch. Wein gab es nicht mehr, die Vorratskalkulation klappt scheinbar noch nicht so richtig. Wir waren im Restaurant alleine mit einem Schweizer Ehepaar, fast zwei Stunden haben wir uns nett unterhalten. Unser junger Chef hoffte beim Verabschieden, dass wir noch einen Tag bleiben.

Merzouga - Taouz - Rissani - Erg Chebbi

Nun haben wir am nächsten Morgen doch gezahlt, im Paket 800 Dirham. Zweimal mehr gängiges Menü, Wein, Wasser, Tee und Übernachtung, also ungefähr 72 Euro. Ab auf die Piste zur Asphaltstraße, Edith Kohlbach schreibt 4 Kilometer, das Schild am Beginn der Piste weist 5 Kilometer aus, es sind exakt 6 Kilometer. Aber die Piste ist weitgehend im ordentlichen Zustand, wenig Wellblechrillen. Eine riesige Staubwolke zieht man hinter sich her, wenn man mit bis zu 60 km/h darüber düst. Asphalt ist doch was herrliches, bald erreichten wir Merzouga. Überall wollten uns irgendwelche „Helfer“ dies und das anbieten, wir winkten ab. Einmal durch den etwa 3.000 Einwohner zählenden Ort gekurvt, ursrünglich nur eine kleine Wüstenoase, aber inzwischen das lokale Touristenzentrum am Rande der Dünen, im Ort ist kaum was zu sehen.

Taouz

Weiter ging die Fahrt nach Taouz, einfach mal schauen wie ein richtiges Wüstenkaff aussieht, das bis vor kurzem nur über eine schlechte Piste zu erreichen war. Hier ist erst recht nichts zu sehen, aber eben Wüstenfeeling pur. Die Strecke dort hin ist landschaftlich interessant, der Wechsel von der Sandwüste zu schwarzen Sandhügeln, bis zur endlosen Steinwürste. Das hat was, heutzutage nicht nur für 4x4 Fahrzeuge machbar!

Unterwegs haben wir mehrfach angehalten und in die Landschaft geschaut, teilweise war die Stille hörbar... In Taouz endet die Asphaltstraße, ein Spaziergang offenbart den trostlosen Wüstenort, aber erste Anzeichen sich dem Tourismus zu öffnen sind vorhanden. Ein Mann sprach uns an, er kannte den Namen Edith Kohlbach und wollte uns mit seinem Moped irgendwo hin führen, natürlich gab es dort die besten Mineralien und Fossilen. Wir machten im klar, weder das eine, noch das andere stößt auf unser Interesse, durchaus freundlich verabschiedete er sich. Die Kinder beäugten uns schüchtern, aber keinerlei Bettelei, scheinbar noch unverdorben vom Tourismus, sehr angenehm.

Zurück durch die sehenswerte Wüstenlandschaft besichtigen wir das Hotel mit dem grandiosen Namen Nomad Palace, das auch Campingmöglichkeiten auf einem großen, etwas trostlosen, ebenen Gelände bietet. Die im Innenbereich nette Auberge liegt abseits jeglichen Trubels, aber es schienen sich derzeit keine Gäste dort hin zu verirren, also fuhren wir weiter. 

Rissani

Am heutigen Sonntag wäre in Rissani Markt, sagte uns Mohammed, unser Gastgeber der letzten zwei Tage, bei der Abfahrt. Es war erst gegen Mittag, warum nicht! Nach einer Mittagspausein der Wüste, wo wir von einigen Jungen auf Fahrrädern im respektvollen Abstand beobachtet wurden, auf in das marokkanische Leben. Ein bewachter Parkplatz für 5 Dirham, die ein Mann mit Ausweis am Jackett kassierte, war schnell gefunden. Ein sehenswerter Souk, ein sehenswerter Markt, mit unterschiedlichen Handwerkern und Angeboten zur Alltagsversorgung. Mal wieder ein Stück authentisches Leben abseits der Großstädte in Marokko. Klar, angesprochen wurden wir, aber mit klaren Worten und Gesten trollten sich die Burschen schnell. So richtig unangenehme Aufdringlichkeit haben wir erfreulicherweise diesmal nicht erlebt.

Zurück zum Traumstellplatz

Wir waren uns schnell einig, noch eine Übernachtung an der Kasbah Erg Chebbi, Mohammed begrüßte uns freudig. Zwei Paare aus Deutschland waren vor uns eingetroffen. Erste Informationen wurden beim Teetrinken ausgetauscht, woher, wohin und wie läuft das hier? Dann schön in die angenehme Sonne gesetzt und die Füße hoch gelegt. Am Abend sollte es Couscous geben, wir freuten uns darauf. Eine leckere Vorspeise, aber das Couscous kam nicht an den Geschmack des Hotels in Volubilis heran. Die Nachspeise war wiederum gut. Was meinte Mohammed, Couscous können am besten die Frauen kochen, er hat leider nur Männer in der Küche, dafür wäre es doch sehr gut! So ein Schlingel!   

Fahrt zur Todrha Schlucht

Die 6 km Piste zur Asphaltstraße war flott bewältigt, über Rissani rollten wir nach Erfoud. Eine Bank war schnell gefunden, allerdings waren die Schlangen an den Bankschaltern recht lang, so hat das eine gute halbe Stunde gedauert. Jetzt waren unsere Portmonees wieder ordentlich dick. Auf Hinfahrt haben wir die sprudelnde Quelle vor Erfoud verpasst, die uns von 2005 noch gut in Erinnerung war. Da wollten wir nochmal hin. Erst sind wir vorbei gefahren, dann wieder zurück, und nochmal, verflixt, die Quelle muss doch zu finden sein. Da ist sie, man konnte keine Fontäne mehr sehen, ein Häuschen mit einem dicken Rohr hat die früher eindrucksvolle Fontäne verschlossen. Aber rings herum drückte das Wasser sprudelnd nach oben, vielleicht bildet sich hier mal wieder eine Fontäne.

Etwas enttäuscht fuhren wir zurück nach Erfoud, von dort die Straße nach Tinejdat durch die oft karge Wüstenlandschaft mit dunklen Hügeln und Bergen. Unterwegs fielen eine Reihe von Erdhaufen auf, es handelt sich um Wasserschächte, s.g. Foggera. Hier wurde früher Wasser aus dem Atlas in die Oasen geführt, die Hügel waren die Wartungsschächte. Einige Souvenirhändler haben dort ihre Nomadenzelte aufgebaut, heftig winkend wollten sie uns auf die Parkplätze locken. Wir haben dahinter gehalten, um ein paar Fotos zu machen. Kaum waren zwei Fotos gemacht, schon war der ambulante Souvenirdienst auf einem Moped da. Der armselig gekleidete jüngere Mann versuchte er sich als Guide, dann zeigte er sein bescheidendes Angebot, Armreifen, Steinkamele, Mineralien und einige Fossilen. Wir waren nicht interessiert, aber er erzählte von kleinen Kindern. Der Bursche hatte doch die richtige Strategie, wir hatten ja noch etliche Kinderkleidung in der Heckgarage... Also suchten wir einige Stücke heraus, dafür wollte er ein Kamel geben. Aber wir suchten uns eine geschliffene Fossile in zwei Hälften aus, die er für 100 Dirham verkaufen wollte. Nur aus lauter Mitleid haben wir uns auf 40 Dirham geeinigt, er gab noch ein geschliffenes Steinei dazu, das eine kleine Meeresfossile auswies. Der mehrfache Dank war so eindringlich, dass wir glaubten, hier die Kinderkleidung gut getauscht zu haben. Oder war des Geschäft für ihn so außerordentlich gut? 

Tinerhir

In Tinerhir bogen wir Richtung Todhra Schlucht ab, eine zum Teil im Bau befindliche schmale Straße führte zunächst hoch, dann wieder runter zum Campingplatz Le Solei, hier war sogar kostenloses Internet im Restaurant und auf der Terrasse möglich. Ganz ordentliche Sanitäranlagen, ein Pool und ein nett eingerichtetes Restaurant vervollständigte das Angebot.

Todhra Schlucht

Die Nacht war ruhig, bis bereits vor 5 Uhr der Muezzin kurz aber vernehmlich zum Gebet rief. Dann aber die Decken für die Ohren gezogen und noch ein wenig geschlafen. Die Nacht kostete 58 Dirham ohne Strom. Der Platz hat sogar einen Schacht, wo auch größere Reisemobile entsorgen können. Die Todhra Schlucht war schnell erreicht, zunächst das Mobil davor abgestellt und zu Fuß durch die engsten Bereiche gelaufen. Die Felswände erstrecken sich hier bis zu 300 Meter in die Höhe. An den steilsten Stellen klebten einige Kletterer in den Wänden, ein merkwürdiges Hobby. Hoffentlich wird die Schlucht nicht zur „Todnah“ Schlucht. Die steile Schlucht ist schon beeindruckend, aber spektakulär, wie in den Reiseführern beschreiben, haben wir den Anblick nicht empfunden. Die vielen Souvenirstände erstaunen einem schon, aber wir wurden noch nicht einmal angesprochen, wie langweilig. Erst als unser „Big Grasshopper“ mit unserem arabischen Gruß vorbeifuhr, wurde freundlich gegrüßt, as salam aleikum...

Tamtatouchte

Langsam rollten wir durch die Schlucht, kurz hinter der Touristenmeile war alles wieder ruhig und wunderschön. Keine nervige Belästigung durch Kinder bis und in Tamtatouchte, einige mal wurde gewunken, einmal war im Rückspiegel eine enttäuschte Handbewegung zu sehen. Diese Fahrt hat sich ohne Einschränkung gelohnt, sehr beeindruckend, immer wieder ein Stopp, Foto, Foto … Die Straße war immer wieder mal schmal mit Seitenstreifen zum ausweichen und ein wenig holperig, aber das Fahren stellte kein Problem dar.

Das Örtchen Tamtatouchte erschließt sich immer mehr dem Tourismus, insbesondere dem Trekking, seit die Straße asphaltiert wurde. Campingmöglichkeiten gibt es einige, wir haben uns für die schon lange bestehende Auberge Baddau entschieden. Eine schöne gepflegte Anlage, ein kleines Swimmingpool ist in Bau. Bezahlt haben wir ohne Strom 40 Dirham. Ein deutsches Ehepaar wuselt hier regelmäßig und „verschönert“ den Platz auch mit bizarren „Kunstwerken“, denn man was abgewinnen kann, oder auch nicht. Wir Banausen eher nicht...

Trotz auf 1.760 Meter gelegen, ein angenehmes warmes Wetter mit 23 Grad bei strahlenden Sonnenschein. Wir waren völlig alleine auf dem Campingplatz. Traumhaft zum relaxen und Füße hoch legen. Die Vögel zwitscherten in den Bäumen so vielfältig, wie selten gehört. Es blökten immer wieder Schafe, einige Esel quetschen ihr Ihhaaa so qualvoll raus, dass man dachte, man hätte ihnen wer weiß was abgekniffen. Da hier die Küche in den Reiseführern gelobt wird, haben wir für 19 Uhr ein regionales Gericht bestellt, ein drei gängiges Menü für 70 Dirham. Am frühen Nachmittag wurde der Ort zu Fuß erobert, nur wenige ansehnliche Gebäude. Verfallene Lehmhäuser, einige kleine Lädchen, die man erst auf dem zweiten Blick erkannte. Zwischen den Häusern an der Straße immer wieder Aussicht in das Tal mit Feldern und gegenüber einige meist unbewohnte Kasbahs. Am heutigen Tag waren wir die einzigen Touristen. Die Leute grüßten zurückhaltend, die Kinder waren überhaupt nicht lästig. Es wurde eher zaghaft nach Stylos oder Bonbons gefragt, aber wenn man mit bedauernder Geste klar machte, wir hätten nichts mit, dann war es auch gut. 
Das gemütliche Restaurant hatten wir am Abend für uns alleine, ein Gasofen wärmte den Raum ein wenig. Das Abendessen begann mit einer heißen Gemüsesuppe, das Hautgericht nennt sich Timlilay und bestand aus geschnetzeltem Puter, Gemüse und Reis. Reichlich und lecker, der Nachtisch war Joghurt mit ein wenig Karamell durchzogen und mit Mandarinen dekoriert.

Dadès Schlucht 

Es folgte eine sehr ruhige Nacht, kein Muezzin störte. Am Morgen zwar Sonnenschein, aber frische 5 Grad plus. Bald rollten wir wieder Richtung durch die Todhra Schlucht, nur eine Nomadengöre regierte ein unwirsch beim Vorbeifahren. Heute entleerten einige Reisebusse Touristen in die Schlucht und am Hotel Yasmina stand der rote Bus von Rotel, es war richtig was los. 

Weiter ging die etwas holprige Fahrt nach Tinerhier. Unterwegs immer wieder Winken der Kinder, oft wurde unser Gruß am Alkoven laut rufend vorgelesen, bei den Erwachsenen ging immer wieder der Daumen hoch. Die mehrfachen massiv negativen Beschreibungen der lästigen Kinder der Autoren im Schulz WOMO Führer in dieser Region, sind für uns völlig unverständlich. Die Autoren Riehl versteigern sich sogar in die Idee, am liebsten ein Spray gegen diese Kinder haben zu wollen! Welch eine schreckliche Vorstellung, die eine Assoziation zu längst vergangen Zeiten aufkommen lässt... Wir haben überlegt, warum wir das so anders erleben? Vielleicht weil wir immer zwischen 10 und 11 Uhr zur Schulzeit die Orte passierten und weniger Kinder auf der Straße waren? Oder weil unser Mobil grün ist (Farbe der Muslime) und der Gruß am Alkoven ein wenig ablenkt? Oder haben wir einfach nur Glück gehabt? 

In Tinerhier fast am Ende des Ortes Richtung befindet sich der Supermarkt Chez Michele, der sollte laut Know How Reiseführer auch marokkanischen Wein führen. Das Angebot im Markt war übersichtlich, aber wo steht der Wein? Erst auf Nachfrage wurden wir durch eine fast schon geheimnisvolle Metalltür in eine winzig kleine Nebenkammer geführt, dort standen die Alkoholika im Regal, wir griffen für 70 Dirham einige Flachen Wein und vervollständigten den Einkauf mit Mineralwasser und Joghurt, der hier sehr preiswert war.

Gemächlich bummelt wir auf einer 1a Landstraße durch die Wüstenlandschaft, bis wir das Tor zur Region Boumalne erreichten. Diese in Marokko üblichen Tore an den Grenzen der Bezirke stehen ab und zu etwas verloren mitten in der Landschaft, sie geben aber oft ein schönes Bild ab. Der kleine Ort Boumalne selbst ist ein Markt- und Verwaltungszentrum. Am heutigen Mittwoch war Wochenmarkt am Ortsrand, ausschließlich für den Bedarf der Einheimischen, mal wieder ein Erlebnis. Möbel, Fernseher, Kleidung, lebendes Geflügel, Haushaltswaren, Fleisch und Gemüse und vieles mehr unter freien Himmel. Wenig später ging die Straße zur Dadès Schlucht Richtung Msemrir ab.  

Zunächst passierten wir die meist fotografierten Felsformationen Marokkos, die so genannten Affenpfoten. Der Fluß Dadès windete sich wie ein gelber Bandwurm durch die oft kahle Landschaft. Zwischendurch Oasengärten, mit Obst- und Feigenbäumen, es sind viele Häuser entlang der Straße zu sehen. Dann windete sich die Straße in verwegenen Kehren bergauf, die sich zwar vorsichtig, aber ganz ordentlich fahren lassen. Immer wieder tolle Aussichten in den Canyon des Dadès.

Bald passierten wir die engste Stelle der Dadès Schlucht, hier hatten wir zunächst bedenken, denn ein Bild im WOMO Führer zeigt kritisch niedrige überhängende Felsen über einem Reisemobil. Alles kein Problem, der Lkw vor uns mit wesentlich höher Ladung, sicherlich um 4 Meter hoch, kommt problemlos durch die Schlucht. Aber man musste an der kritischen Stelle ganz außen fahren, damit unser 3,32 m hoher Big Grasshopper ohne Schrammen passieren konnte, gut das kein Gegenverkehr herrschte. Auch hier musste ich an die WOMO Autoren denken, fragten sie doch nach der Durchquerung der Schlucht: „Reicht's Ihnen jetzt? Fertig mit den Nerven?“ So ein Kokolores, wir sind völlig entspannt hier angekommen. Ob wir eine andere Spezies von Reisemobilfahren sind?

Es ist erst gegen Mittag, also fahren wir noch weiter durch eine fantastische anzusehende Berglandschaft. Die Häuser und Felder im Tal wird von einer Kulisse schräger faltiger Berge umgeben, eine Augenweide. Dann schlängelt sich die Straße wieder bergauf, auf etwa 2.100 Höhe bietet sich ein gewaltiges Panorama in den Canyon des Dadès. Das MUSS man gesehen haben! Hier haben die WOMO Autoren recht, diese Schlucht ist wegen der Einblicke von oben interessanter als die Todrha-Schlucht, die von der sicherlich in erster Linie von der sehenswerten engen Durchfahrt lebt.

Teilstücke der Straße waren in der Vergangenheit mit Geröll überschüttet, zwar geräumt, aber in diesen Bereichen immer wieder mal üble Piste. Dann rollten wir wieder bergab in das Flusstal nach Msemrir, hier endet die Asphaltstraße. Also gewendet und den Menschen in Msemrir freundlich zurück gewunken.

An einem der spektakulären Aussichtspunkten liefen auf uns zwei etwa 9 Jahre alte Jungen zu, jeder mit einem Holzkästchen versteinerter Fossilen. Wir fuhren zunächst vorbei, dann drehten wir und fuhren zu den ärmlich aussehenden Kindern zurück. Schließlich haben die Beiden was anzubieten, selbst gesuchte Meeresfossilien auf ca. 2.000 Meter Höhe! Wir suchten uns pro forma einige Stücke aus, jedes Kind bekam nach ein wenig handeln 4 Dirhams und einige Bonbons.

Übernachtet haben wir auf dem kleinen Campingplatz Berbère de la Montagne, direkt an der engsten Stelle zur Schlucht. Romantisch gelegen, direkt neben dem rauschenden Dadès. Der Platz liegt allerdings nur insofern ungünstig, am Nachmittag ist früh die Sonne weg, am Vormittag kommt sie erst spät wegen der hohen Berge ringsherum. Das ganze für 60 Dirham ohne Strom mit niedlichen, aber sauberen Sanitäranlagen und warmer Dusche.   

Der Morgen war mal wieder mit 6 Grad kühl. Ein deutscher Alleinreisender mit einem älteren Toyota Allrad in Pistenausführung, bat um Starthilfe, klar doch, kein Problem. Aber das brachte den Motor nicht zum laufen. Dann versuchten wir gemeinsam mit dem Personal die Karre an zuschieben, auch kein Erfolg. Der Souvenirverkäufer von gegenüber sauste mit dem Moped los und organisierte innerhalb einer ¼ Stunde einen Mercedes 207, der den Toyota etwa 100 Meter auf die Straße gezogen hat, der Motor sprang qualmend an.

Schnell noch ein paar Fotos von der Schlucht gemacht und wir bummelten die Straße zurück nach Boumalne, die auf der Rückfahrt ganz andere Perspektiven bot. Die Fahrt führte uns durch die hier typische Wüstenlandschaft bis Skoura. Ein Stopp offenbarte gelb blühende Sträucher, hübsch abzusehen. Hier fiel auch ein größerer rötlicher Stein für den heimischen Vorgarten in die Heckgarage.

Kasbah Amerhidil

Wir fuhren ja auf der Straße der Kasbahs, aber man darf von dem touristischen Namen nicht zu viel erwarten. Klar gibt es einige schöne Kasbahs, aber viele sind auch verfallen. Wir haben uns „die“ Kasbah Marokkos angesehen, die sogar auf dem 50 Dirham Scheinen abgebildet ist. Die sehenswerte Kasbah Amerhidil stammt aus dem 17. Jahrhundert wird von der Besitzerfamilie liebevoll in Instand gehalten. Auf eine französische oder englische Führung für 50 Dirham verzichteten wir. Das kleine Museum (pro Person 10 Dh) durften wir dann alleine erkunden, auf zwei Etagen gewährt es einen kleinen Einblick in das Leben früherer Zeiten. Einige Räume, eine Kochstelle, altes Werkzeug und dies und das. Anschließend liefen wir um die Kasbah herum, schauten auch den verfallenden Bereich an. Es schließt sich dem Komplex ein Dorf an, durch die typischen Palmengärten einer Oase mit kleinen Feldern war es schön zu laufen. An einer Stelle wurden Lehmziegel produziert, sie lagen in der Sonne zum trocknen. Durch das trockene Flussbett erreichten wir wieder unser Reisemobil. Ein lohnenswerter Aufenthalt lag hinter uns, so kann man sich das frühere Leben in den Lehmburgen etwas besser vorstellen.  

Quarzazate ist eine auffällig saubere Stadt, hier wurde noch Geld getauscht, ein Geldautomat fraß zwei Hunderter Euro Scheine und spuckte viele Dirham Scheine aus. Schnell noch getankt, dann ging es ab auf die Straße Richtung Zagora. Bald kurvten wir auf einer guten Teerstraße durch eine zerklüftete braune Berglandschaft hoch, ganz anderes, wie wir es in den letzten Tagen gesehen haben. Die völlig unbewachsenen Gesteinsschichten sind rund geformt, schräg übereinander gefaltet, ein faszinierender Anblick. 

Agdz

Am späten Nachmittag erreichten wir die einstige französische Garnisonsstadt. Am Café und Restaurant Agdz gibt es seit einiger Zeit einen staubigen trostlosen Stellplatz um ein Schwimmbecken des ehemaligen Freibades herum. Eine mickrige Sanitärhütte wurde 2011 lieblos fertig gestellt und machte einen wenig einladenden Eindruck. Eine Dusche war immerhin gefliest, mit zig verschiedenen Resten von Kacheln. Die Übernachtung kostet pauschal 50 Dirham mit Strom, einen Abschlag ohne Strom wurde vom Chef kurz angebunden verneint. 

Zunächst haben wir den langgezogene Ort erkundet, auch irgendwie trostlos. Erst im Zentrum kam Leben auf, ein kleiner Markt war noch gut besucht. Ringsherum um den zentralen Platz etliche der üblichen kleinen Geschäfte, Restaurants und einige Berbershops mit Souvenirs, viele Tücher und Teppiche. Angesprochen wurden wir von einem jungen Mann, der irgendwas aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt haben wollte, um einen Bekannten in Deutschland eine Nachricht zu übermitteln. Nun ja, wer weiß, wo er uns hin locken wollte. Freundlich winkend gingen wie weiter. 

Nach der Rückkehr wollten wir im Café und Restaurant Agdz essen, draußen war es uns inzwischen zu kühl, außerdem war es etwas windig. Der nüchterne Gastraum war erst recht zugig, der Fernseher brüllte für einen Gast, der seinen Kapuzenmantel tief ins Gesicht gezogen hatte. Wir fragten nach der belgischen Chefin, die laut Campingplatzführer auch ein wenig deutsch sprechen sollte. Dafür kam der Chef und fertigte uns doch ein wenig brüsk ab, indem er eine staubige Speisenkarte rüber schob und verschwand. Das hatten wir so bisher auf der Reise bisher nicht erlebt, immer haben sich die Gastgeber viel Mühe gegeben, auch bei Schwierigkeiten mit der Verständigung, alles zu erklären. Nun gut, bei so viel Freundlichkeit und Ungemütlichkeit verzichteten wir, die Reisemobilküche bot ein kleines Essen im viel gemütlicheren Ambiente. Dieser Campingplatz ist keine Empfehlung, aber wenn es sein muss, für eine Übernachtung machbar. Aber es gibt hier eine Alternative etwas außerhalb. 

Draa Tal

Es schloss sich eine ruhige Nacht an, der Muezzin war nur aus der Ferne zu hören. Ein wenig Wasser aufgefüllt, die Toilette entleert und bald rollten wir weiter Richtung Draa Tal. Der Fluss Draa ist ein periodisch austrocknender Fluss, reichlich 1.000 Kilometer lang. Er fließt nur durch Marokko und bildet im Südwesten des Landes etwa 390 Kilometer lang die Grenze zu Algerien. Er ist der längste Fluss des Landes, bis er nach seiner Ost-West-Durchquerung ca. 150 Kilometer nördlich der Grenze zur Westsahara in den Atlantischen Ozean mündet. Die Oasen im Draa Tal mit ihren Palmen und kräftig grünen Wiesen verblüffen immer wieder. Bei einem Fotostopp tauchte wie aus dem Nichts ein Dattelverkäufer auf, aber seit wir auf den Märkten die unzähligen Fliegen auf den Datteln gesehen haben, mögen wir diese erst recht nicht. Der Mann wollte zunächst für die kleinen selbst geflochtenen Körbchen mit Deckel und ein paar Datteln 3 Euro haben, bei der Abfahrt waren es 1 Euro, fast hätten wir aus Mitleid gekauft... Die in Hülle und Fülle vorhandenen Dattelverkäufer am Straßenrand sprangen immer erwartungsvoll auf und winken mit den Packungen, im vorbeifahren ließen sie die Arme hängen und schauten uns nach. 

Bald erreichten wir Zagora, die Stadt war früher eine wichtige Karawanenstation. Das inzwischen erneuerte und oft fotografierte weltweit bekannte Schild „52 Tage nach Timbouctou“ haben wir verpasst. Wenden lohnte sich nicht, wir kommen auf der Rückfahrt ja wieder vorbei. Bald war die Teerstraße einspurig durch eine abwechslungsreiche Wüstenlandschaft mit kleinen Dünen und leichten Sandverwehungen. Die nächste Stadt war Tamegroute, die alte Bibliothek haben wir bereits 2005 besichtigt. Die hier herstellten grün lasierten Töpferwaren sprechen uns nicht an. Auch die noch bewohnte sehenswerte Lehmksar haben wir 2005 mit einem heimischen Führer gesehen. Touristen werden hier allerdings verständlicherweise nicht so gerne gesehen, also weiter.

Immer wieder hieß es runter von der Geschwindigkeit und dem Gegenverkehr auf dem Schotterstreifen Platz gemacht, schließlich sind wir hier Gast und die Einheimischen haben Vorfahrt. Mitten in der Wüste war eine Schule beendet, die Kinder radelten oder liefen kilometerweit zu ihren Behausungen. Dann stieg die Straße zu einer kleinen Passhöhe an, die schwarzbraunen kahlen Berge überquerten wir flott. Kurz vor Mhamid sind gelbe Schilder aufgestellt, in fünf Sprachen wird darauf hingewiesen, dass man mit der Wüste einen sensiblen Naturraum betritt, Abfall vermieden werden soll, das Wasser hier wertvoll ist und Respekt vor Menschen und Tieren abverlangt wird. Tja, das sind die guten Wünsche, aber z.B. die Quads knattern legal durch diesen sensiblen Naturraum...

Mhamid

Eigentlich war schon Mittagspause im einladenden Café Fata Morgana, aber die deutsche Besitzerin Isolde war noch da, sie begrüßte uns freundlich und nahm gerne unsere Kinderkleidung an, sie sorgt für eine angemessene Verteilung. Schade, der frisch gebackene und lecker duftende Kuchen war erst ab 15 Uhr zu haben.  
Bis Mhamid waren es nur noch 5 Kilometer, die große verdammt trostlose Oase mit ca. 8.000 Einwohnern liegt am Qued Draa unweit der algerischen Grenze. Wir folgten ohne auf die Stopp Rufe der blau gehüllten selbst ernannten Führer zu achten, dem Tipp von Edith Kohlbach. Das kleine Camp La Boussole ist am Ende der Asphaltstraße auf ca. 200 Meter guter Piste gut zu erreichen, und liegt auf einen Hügel mit weitem Blick in die Wüste. Winkend wurden wir freundlich empfangen, schnell wurden wir als eins von zuletzt 8 Reisemobilen eingewiesen. Bisher haben wir sie nicht gebraucht, hier wurden die Unterlegkeile erforderlich. Beim ersten Versuch wurde die Keile im Sand verbuddelt. Dann einen Meter vor gefahren, hier klappte es, wir standen so gerade wie schon lange nicht mehr. Der Blick ringsherum war fantastisch, es kam ein gewisses Wüstenfeeling auf. Wir trugen uns selbst in das Anmeldebuch ein und bestellten für 19 Uhr Tajine. Übrigens, zwei Tage haben wir schon geschafft, ab hier waren es nur noch „50 Tage nach Timbouctou“ 

9. Internationales Festival der Nomaden

Bald begannen umfangreiche Aktivitäten, Teppiche wurden ausgelegt, eine kleine Bühne wurde aufgebaut, Stuhlreihen deuten auf eine Vorstellung hin. Musikkünstler stimmten die Beschallungsanlage ein. Das Rahmenprogamm bestand aus einem Dromedarrennen, wie uns ein gut deutsch sprechender Spanier neben uns erklärte. Wir freuten uns über diesen Glücksfall, denn das war ja vielversprechend! Das dreitägige Festival der Provinz Zagora hatte heute in Mhamid auch einen Programmteil.  
Ein kleiner Stand mit Schals lockte, ja da lag so ein langer einfarbig blauer Schal, denn man auch nach Nomadenart (wer kennt die Bilder nicht?) um den Kopf binden kann. Gute Qualität wurde beteuert. Bei 70 Dirham begann das Feilschen, das Gegenangebot lag bei 30 Dirham, für 45 Dirham haben wir schließlich eingewilligt. Etwas über 4 Euro war dem Autor der schöne Schal wert.

Von der traditionellen Teefirma Sultan wurde aus einem Verkaufs-Lkw kostenlos heißer gesüßter Tee ausgeschenkt, sehr lecker. Nach und nach kamen immer mehr Menschen aus dem Dorf, die Frauen warten vor dem Camp. Die Kinder versuchten immer wieder ins Camp zu gelangen und wurden genauso regelmäßig wieder verscheucht. Die vielen offiziellen Vertreter Mhamids setzten sich geduldig in den Schatten und warteten auf den Gouverneur dieser Region. Die Dromedare übten vorab das Rennen und standen immer wieder für Fotos zur Verfügung. Tanz- und Musikgruppen tauchten auf. Ein buntes Treiben entfaltete sich, herrlich anzusehen. Presseleute mit gewaltigen Objektiven an den Kameras fotografierten alles was sich bewegte. Schließlich standen die Künstler Spalier, dekorativ unser Reisemobil mit der marokkanischen Flagge im Hintergrund. Polizei und Sicherheitsdienst standen lässig bereit. Endlich, die vielen wichtigen Leute tauchten mit einem Fahrzeugkonvoi verspätet auf, der offizielle Teil begann. Es machte viel Freude hier zuzuschauen, sogar Säbeltanz und nette Folklore wurde geboten. Nach gefälligen Musik- und Gesangsvorführen staubten die Dromendare durch die Wüste. Die galoppierenden Viecher wurden immer wieder mit Stockschlägen abgetrieben, aber wer hat eigentlich gewonnen? Das ganze Spektakel dauerte fast drei Stunden. Die Honoratioren hielten noch freundliche Reden, die von Filmteams aufgezeichnet wurden. Das mussten ja ganz wichtige Burschen sein, einige schauten auch recht streng und bedeutsam drein. Bis zum Sonnenuntergang ein herrliches buntes Bild, viele Bilder ließen sich auf dem Chip der Lumix bannen.  

Kaum im Reisemobil, da klopfte es, ob wir die Tajine hier serviert haben wollten, ja, warum nicht. Fast hatten wir geglaubt, unsere Bestellung wäre im Trubel des Festivals untergegangen. So bekamen wir eine leckere Tajine mit Hühnchen, viel Brot und Obst zum Nachtisch in das Mobil gereicht. Das war doch nett, so ein Tajineservice! Da lässt man doch auf freundliche Nachfrage gerne mal eine Dose Bier für den Service springen. Eine herrliche Ruhe kehrte wenig später ein.
Die Nacht war angenehm, nach dem Frühstück erst mal bei den Inhabern Tee getrunken und eine 4X4 Fahrt bis zum Erg Chigaga verhandelt, von Mhamid noch rund 50 Kilometer entfernt. Es soll ein Tagesausflug werden von 10 bis ca. 17 Uhr mit Mittagessen, bis zu den hohen Dünen des Erg. Zunächst waren wir bei 1.600 Dirham, dann bei 1.400, dann frei Camping dazu. Nein Danke, wir überlegen noch.

Einer der Brüder lieh mir sein Modem von Maroc Telecom, schnelles Internet, bestens. Kosten 10 Dirham und eine Dose aus Alu von Zuhause. Mittags gab es überraschend ein frisch gebackenes gefülltes Fladenbrot von der Mutter, super lecker. Ein echtes Wohlfühlerlebnis hier im Camp. Der Spanier neben uns jammerte am Vormittag, es gäbe im ganzen Ort kein Strom, der arme Kerl. Später klappte es wieder, wir trauten unseren Augen kaum, er stellte in den Sand eine kompakte Waschmaschine auf und Muttern wusch eine Maschine nach der anderen. Als nach Stunden die Aktion beendet war, war man so fertig, ab in das Reisemobil und die Klimaanlage angemacht. Leute gibt es... Wir haben immer wieder in die Weite der Wüste geschaut, ärgerlich die fliegenden Plastiktüten, schön das einsam schreitende Dromedar.

Wir erlaubten uns einer faulen Tag, der Autor hackte im Internet herum, die Anvertraute las. Gegen Abend kam wieder unser Essensservice, heute gab es gegrilltes Hähnchen, Salat, Brot und wieder Obst. Gut dass wir im Mobil gegessen haben, denn das Hähnchen war nicht durch gegrillt. Ab in die Pfanne, Deckel drauf und ordentlich durchgebraten, aber lecker war es doch. 

Dann neue Verhandlungen für einen Ausflug, bei 1.000 Dirham (etwa 90 Euro) haben wir zugesagt. Dafür haben wir ein Fahrzeug für uns alleine und sind etwa 6 Stunden unterwegs, zum Mittag wird gegrillt und ein Menü serviert. Wir sind gespannt... Dann schlenderten wir im Dunkeln durch den Ort, das Festival der Nomaden war noch nicht vorbei. Wir schauten auf die vielen Menschen, Livemusik auf einer Bühne wurde gerade nicht geboten, aber die Kinder und Jugendlichen tanzten nach CD-Musik. Überall Stände mit Leckereien und sogar Eis aus einem Bottich ohne Kühlung. Wir haben uns nicht getraut...  

Fahrt zum Erg Chegaga 

Manchmal sind es auch die kleinen Dinge die erfreuen, morgens beim Zähneputzen Blick in die Wüste, sieben Dromedare stolzierten vorbei. Nach dem gemütlichen Frühstück den Rucksack gepackt und zwei große Wasserflaschen eingepackt. Kurz vor 10 Uhr war unser Nissan Allrad mit Diver Ali fahrbereit. Gut 50 Kilometer sind es bis zum Erg Chegaga. Die Piste ist in der Tat nur mit 4X4 Fahrzeugen zu bewältigen, los ging es und Augen auf. Eine große Herde mit über 90 frei laufenden Dromedaren stolzierte gemächlich an uns vorbei, ein seltener Anblick meinte auch Ali. Aber auch eine kleine Karawane mit ordentlich bepackten Dromedaren war zu sehen. Ein Stopp an einer Oase mit ganzjähriger Trinkwasserquelle, das Wasser drückt sich durch den Sand nach oben und bildet kleine Strudel. Einen der Brunnen in der Wüste konnten wir uns auch ansehen. Immer weiter holperten wir durch eine Steinwüste, die Steine auch auf der Piste malträtierten ordentlich unsere Ohren, da der nicht mehr ganz neue Nissan ordentlich quietschte und klapperte. Nach gut zwei Stunden waren wir durch einen trockenen Zeitsee an den riesigen Sanddünen des Erg Chegaga, die hier bis zu 200 Meter hoch sind. An einem Camp, das derzeit nicht bewohnt war, erreichten wir zunächst unseren Endpunkt. Gut eine Stunde kletterten wir in den Dünen, saßen auf einem Kamm, erwehrten uns der Fliegen und genossen dennoch die Stille.

Zur Mittagszeit wurden Hühnchenspieße gerillt, aber zunächst gab es im so genannten Wüstenrestaurant Tee. Dann wurde die Vorspeise gereicht, ein großer Salat, nett dekoriert mit Orangenscheiben. Die Spießchen waren lecker gewürzt und vor allen Dingen durchgebraten. Als Nachtisch wurde Orangenscheiben mit Zimt bestreut serviert und man höre und staune, dicke frische Erdbeeren wurden auch aufgetischt. Die Fahrt zurück durch die unterschiedlichen Wüstenarten und immer wieder durch tiefere Sandwehen, so das unser guter Fahrer Ali immer wieder das Geländegetriebe einlegen musste. Bei einem Stopp sagte die bessere Hälfte salopp, so durch die Wüste fahren, möchte ich auch mal. Kaum ausgesprochen räumte Ali seinen Platz und los ging die Fahrt durch Geröll und immer wieder Sand. Bis zum Camp steuerte meine Angetraute mit Freude den Nissan, dort wurde sie mit Beifall empfangen. Nun gab es noch einen Tee, der Fahrer ein ordentliches Trinkgeld, der Boss den vereinbarten Preis. Das waren viele interessante Stunden.

Einer der Brüder vom Camp, Abdull, schäkerte herum und wollte uns überreden noch einen Tag zu bleiben. Das Telecom Maroc Modem wurde dem Autor geradezu erneut aufgedrängt, denn man hatte ja spitz bekommen, das ich im Internet über das Camp schreibe. Na ja, man zeigt sich dennoch gerne erkenntlich, zwei Alu Dosen aus Deutschland wechselten den Besitzer. Wir fühlten uns sehr wohl in La Boussole, nette Leute, mit ein wenig Englisch kommt man hier ganz gut klar. Die Sanitäranlagen ohne Dusche sind äußerst bescheiden, aber Wasser tanken ist kein Problem und die Toilette wird man auch los. Wer Strom braucht, der bekommt auch welchen. Wer keinen Luxus sucht, aber ein wenig Wüstenfeeling erleben möchte, der ist hier bestens aufgehoben. Wir würden jedenfalls jederzeit wieder kommen. 

Ait Benhaddou

Eigentlich könnten wir tatsächlich noch bleiben, wir wären lediglich mit einem italienischen Camper fast allein gewesen. Dessen ungeachtet, es zog uns weiter. Also klar Schiff gemacht, jetzt noch die drei Tage bezahlen, 280 Dirham errechnete etwas umständlich Abdull. Das waren für 3 Übernachtungen, zwei ordentliche Menüs und zwei Brote ein akzeptabler Preis. Dafür gab es noch einen kleinen Taschenrechner für die Brüder von uns, damit das Kopfrechnen nicht so schwer fällt.
Leider hatte das Café Fata Morgana Montags geschlossen, so mussten wir auf Kuchen und Kaffee am Vormittag verzichten. Die anderthalbspurige Straße lässt sich ja ganz ordentlich fahren, wenn heute nicht einiges an Gegenverkehr gewesen wäre. Also immer wieder runter mit der Geschwindigkeit und auf den Schotterstreifen. In einem Flussbett suchten wir noch Steine für den Vorgarten, jetzt sind es deren drei in der Heckgarage. Gut 20 Kilometer hatten wir einen enorm hochbeladenen Lastwagen vor uns, der fuhr zwar nur 50 km/h, blieb aber bei Gegenverkehr stur auf dem Asphalt, wir hinterher und freuten uns, wenn der Lkw den Gegenverkehr auf den Schotter zwang und wir davon profitierten. 

Die Fahrt durch die interessante und abwechslungsreiche Landschaft beeindrucke noch immer, oder schon wieder. In Zagora natürlich des berühmte Schild „52 Tage nach Timbouctou“ auf den Chip gebannt und den freundlichen Shopbesitzer von nebenan abgewimmelt. „Nur gucken kostet nichts ...“ Über Ouarzazate, vorbei an den Atlas-Filmstudios, erreichten wir am späten Nachmittag den großen Parkplatz am Hotel Le Kasbah in Ait Benhaddou. Der schon etwas ältere Parkwächter malte auf Nachfrage 45 Dirhams für die Übernachtung in den Sand, so viel? Allerdings hat er auf dem 50er Schein 25 rausgegeben, somit hätte sich die Übernachtungsgebühr von 2011 laut Edith Kohlbach um 5 Dirham erhöht. 

So, jetzt aber noch flott los, vorbei an etlichen Souvenirhändlern, überquerten wir den Qued Mellah auf ausgelegten Sandsäcken und großen Steinen. Im Eingangsbereich der Ksar Ait Benhaddou wurden uns 10 Dirham pro Person für den Erhalt der Ksar abgenommen, das fanden wir völlig in Ordnung. Sofort hängte sich ein selbst ernannter Führer an unsere Fersen, aber eine deutliche Ansprache ließ ihn schnell wieder verschwinden.

Durch ein kleines dunkles Museum erreichten wir die ersten Gassen, unzählige Souvenirhändler auch hier. Eine Frau wollte uns in ihre Behausung locken, klar gegen ein Bakschisch. Uns war das nicht recht, dass die Frau sich und ihre Behausung sozusagen als Ausstellungsstück anbot. So kletterten wir zunächst über Steintreppen bis auf den Gipfel und genossen die herrliche Aussicht. Zurück schlenderte wir durch etliche Gassen, erwehrten uns die vielen Angebote, nur mal in den Shop zu schauen... Der Autor kletterte über dunkle brüchige Treppen auf eine Aussichtsplattform und schaute in einen Ziegenstall der Bewohner. Eine junge Frau fütterte ein Zicklein mit einer Milchflasche, was dieses gierig leer saugte, und noch eine, und noch eine... Die Abendsonne ließ die Lehmbauten besonders schön aussehen. 

Im Bereich zum Parkplatz verhandelten wir auf einen Löwen aus Holz, 280 Dirham schrieb der Bursche auf, wir boten 50, er schreib darauf 250, freundlich abwinkend drehten wir uns ab. Er rief 100 hinterher, das überlegen wir uns noch bis morgen. Mit zwei anderen Reisemobilen verbrachten wir eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz. Nach dem Frühstück mit frischem Fladenbrot vom Lädchen am Platz überlegten wir, schauen wir nochmal nach dem Teaklöwen? Ja warum nicht, war doch ein interessantes Einzelstück. Auf zur Souvenirmeile, der Kauf des ein wenig „versehrten“ Löwen recht schnell besiegelt.

Ein anderer Händler hatte uns gestern angesprochen, ob wir nicht 5 Liter Wasserkanister hätten. Klar hatten wir die, sogar zwei, die leer waren. Heute sprach er uns wieder darauf an. In Ordnung, wir gehen zum Mobil und holen die für die Entsorgung bereitliegende Behältnisse. So kamen wir ins Gespräch mit dem lustigen Mohamed Qassi. Er erzählte, wie wenig Touristen in diesem Jahr bisher kommen. Das wäre doch seine einzige Einnahmequelle, um seine Familie zu ernähren. Dann wurde er wieder lustig und erzählte, er bevorzuge dicke Frauen, warum fragte er. Dem Autor kam das bekannt vor: „Im Winter schön warm und im Sommer viel Schatten?“ Lachend lag Mohamed auf seiner Theke. Ein Wort gab das andere, wir erzählten von Hassan in Meski, denn der sagte das auch. „Ich komme auch aus Meski, das ist mein Nachbar!“ Ja, seine Frau bekommt ein Kind haben wir erzählt, das wäre gestern geboren, ein Junge, bald findet ein Fest statt. Zufälle gibt es!

Wir schauten noch nach besonderen Dekorationsstücken, mir fiel ein Stützstock ins Auge, der sehr abgenutzt und alt aussah und zum Teil aus Kamelknochen gefertigt war. Der Preis war viel zu hoch, wir schäkerten weiter. Der besseren Hälfte gefiel ein alt aussehender, ca. 60 cm langer geschnitzter Häring aus Holz für Nomadenzelte, mit Resten von einer Kamelhaut. Alles viel zu teuer, da fiel uns noch eine rustikale gefütterte Herrenjacke ein, die wir loswerden wollten. Ein Damen T-Shirt konnte auch noch abgegeben werden. Also noch mal zurück zum Mobil, die Sachen gefielen. Einen der Werberechner für den zur Schule gehenden Sohn legten wir dazu. Hin und her, bei 150 Dirham sagten wir ja. Nicht unbedingt ein gutes Geschäft, aber es hat viel Spaß gemacht und der Betrag lag erheblich unter den Anfangspreisen. Beim Bezahlen legte ich noch einige Kugelschreiber für die Kinder dazu. Jetzt folgte eine Reaktion, die besonderes Freude machte, da das Geschäft bereits abgeschlossen war. Mohamed sagte, wir wären gute Menschen (oh je, das Geschäft musste ja enorm gut sein) und bot der besseren Hälfte an, sich kostenlos Ohranhänger auszusuchen. Das hat sie auch angenommen, die Ohrhänger mit kleinen Säbeln gefielen ihr. Dann beugte sich der kurzsichtige Mohamed über ein Stück Papier und schrieb seine Adresse in Meski auf, samt Telefonnummer. Wir sind gerne auch für nächstes Jahr zur Tajine eingeladen. Ein nettes Erlebnis, das hier gemachte Bildchen werden wir ihm zusenden. 

Telouèt

Jetzt aber los, durch eine wunderschöne Landschaft sind wir später nach Telouèt abgebogen. Unterwegs dorthin kam uns ein schneller Lkw entgegen, der uns in einer Kurve gerade frisch geteerten Split in Auto schleuderte. Klack, die Frontscheibe hatte einen kleinen Stern. Pech gehabt, aber einen kleineren Steinschlag hatten wir schon aus der Türkei mitgebracht, wofür sind Versicherungen gut. Dummerweise auch überall kleine schmierige Teerflecken, die wir später mühsam entfernten.
Die rund 20 Kilometer nach Telouèt führten über eine überwiegend schlechte, einspurige Straße, aber schön langsam gefahren, war das kein Problem. Platz zum Ausweichen bei Gegenverkehr war eigentlich immer vorhanden. In Telouèt folgten wir einem Stellplatztipp von Edith Kohlbach, ein großer kostenloser Parkplatz an der Gemeindeverwaltung. Zunächst suchten wir das von ihr empfohlene Restaurant Palace de Telouèt auf, der Betreiber Mohammed begrüßte uns und zeigte sein Bild in Edith Kohlbachs Reiseführer. Die herrliche Dachterrasse mit schöner Aussicht bot sich wegen der abendlichen Kühle nicht zum Abendessen an, denn wir bestellten ein Menü für 19 Uhr. Angeboten wurde uns ein Tee, der aus Rosmarin gekocht wurde, sehr lecker. So saßen wir vor dem Lokal und ließen das dörfliche Geschehen auf uns wirken.

Kasbah Dar Glaoui   
       
Die Besichtigung des Herrschersitzes eines Berberfürsten, Pascha Thami El Glaoui. war jetzt angesagt. Zunächst verliefen wir uns ein wenig, da wir durch die Lehmhäuser eine Abkürzung suchten, aber auf Nachfragen wurden wir auf den richtigen Pfad geschickt. Dann kletterten wir über fürchterliche Abfallberge in den Ruinen zum Zugang der Kasbah. Gleich wehrten wir die Führer ab, die sich für eine Führung anboten. Am Eingang wurde von einer Frau mit einem riesigen Schlüssel das Tor geöffnet, 20 Dirham pro Person waren fällig. Die etwa 8 bis 9 Jahre alte Tochter lief als „Aufpasserin“ mit, damit wir uns nicht verliefen. Leider gibt der Staat kein Geld für den Erhalt der fantastischen Kasbah aus, da der Fürst ein ungeliebter Freund der Franzosen war. Aber einige prunkvolle Räume sind noch gut erhalten. Wir sahen die erhabenen Gemächer, schauten in die eine oder andere Ecke und standen eine Zeitlang auf der Dachterrasse, um die Fernsicht zu genießen. Die Kleine lief immer schweigsam mit, eine Verständigung war nicht möglich, sie wies uns aber den Rundweg. Zum Ende des Rundganges sah sie uns fragend an, zwei kleine Seifenstücke, ein Kugelschreiber und zwei Dirham ließen sie strahlen. Schließlich hatte die Kleine eine Dienstleistung erbracht. 

Auf dem Rückweg sprach uns ein Paar aus Deutschland an, schnell war klar, sie kannten den „MobilLoewen“ aus dem Forum von Edith Kohlbach. Im Restaurant waren sie auch schon, von Mohammed wussten sie, das wir dort um 19 Uhr Essen bestellt hatten, da haben sie sich angeschlossen. Wir tranken ein Gläschen Wein im Mobil miteinander und gingen dann in das nett eingerichtete Restaurant, dort war der Kamin angeheizt. Auf dem Flachbildschirm lief eine Fußballübertragung.
Au weia, das war ja ein umfangreiches Menü, zwei (!) schmackhafte Suppen, gewürzter Nudelsalat, eine üppige Platte Gemüse mit Reis. Dann reichlich Rindfleisch im Tajinetopf ordentlich gegart, mit Feigen, Nüssen und Aprikosen, sehr lecker. Warme Orangen mit Banane und Zimt gab es zum Abschluss, ungewohnt, aber auch sehr delikat. Tee haben wir auch noch bestellt, so plauderten wir noch eine Weile. Getrunken haben wir eine Flasche Wasser mit Gas und einen Spezialsaft aus Mandeln, Feigen und Avocados. Das Ganze waren die 290 Dirhams wert, eine gute Kohlbach Empfehlung. 

Nach ruhiger Nacht wurden wir zunächst von den Schulkindern friedlich besichtigt. Dann holperten wir die rund 20 Kilometer zurück zur Straße nach Marrakesch. Eine gute zweispurige Teerstraße führte uns durch eine der landschaftlich schönsten Strecken Marokkos, teilweise durch Pinien- und Steineichenwälder. Wir schraubten uns unproblematisch hinauf bis auf 2.260 Meter Höhe bis zum Tizi-n-Tichka (Tizi berberisch für Pass). Überall an der Straßen versuchte man uns Edelsteine anzudrehen, zum Teil mit Chemikalien in fürchterlichen grellen Farben gefärbt. Bald erreichten wir die fruchtbare Haouz-Ebene. Einige Kilometer vor Marrakesch teilte sich die Straße, links Richtung Medina, rechts Richtung Zentrum und zur Metro, da wollten wir hin. Dort haben wir das Lebensnotwendige eingekauft, u.a. Rotwein aus der Region Meknes, erstaunlich günstig.    

Marrakesch

Unser Garmin führte per Zielliniennavigation perfekt zu den Koordinaten der Einfahrt (aus dem Kohlbach Führer) zum Parkplatz an der Koutoubia (auch Kutubiya) Moschee. Für eine Übernachtung werden 50 Dirhams verlangt, die über 30 Reisemobile standen zum Teil unter einem Meter Abstand geparkt. Für 10 Dirham leeren die Parkwächter sogar die Toilettenkassette. Zum Djamâa-el-Fna (Platz der Gehenkten) sind es nur rund 500 Meter, was will man mehr. 

Die Königsstadt Marrakesch ist auch bekannt als „Perle des Südens“ am Fuße des Hohen Atlas, sie ist mit rund einer Million Einwohnern auch Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt wurde bereits 1070 durch Abu Bakr ibn Umar gegründet, um der neuen Bewegung der Almoraviden ein Zentrum zu geben. Abu Bakrs Nachfolger Yusuf ibn Taschfin ließ Marrakesch zur Hauptstadt seines Reiches ausbauen. Unter seinem Sohn Ali ibn Yusuf wurde die Stadt erheblich erweitert und die bis heute erhaltene Stadtmauer errichtet. Es schloss sich eine abwechslungsreiche Geschichte an.  

Nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag trafen wir „DRESIA“ aus dem Kohlbach-Forum wieder, angenehme unkomplizierte Reisemobilisten. Sehr hilfreich war war sein Umgang mit der Garmin Software. 

Voller Erwartungen liefen wir zum Djamâa-el-Fna. Der große Platz wird nachmittags von der Vorstellungen der Tänzer, Schlangenbeschwörer, Musikanten und Märchenerzähler beherrscht. Mehrere Runden um den Platz ließen wir uns von dem Gewirr von Menschen, dem Geläut der Akrobaten und Wasserträger beeindrucken. Dem willigen Touristen wurden Affen auf die Schultern gesetzt, zum Teil sogar hygienisch einwandfrei, mit Windeln, natürlich gegen ein Baskisch! Wunderheiler priesen ihre Kenntnisse an, Frauen boten Hennamalereien an. Andere machten kleine Reaktionsspiele am Boden hockend (so was wie das berühmte Hütchenspiel) oder Fäden wurden gelegt, man sollte eine Schlinge mit dem Finger treffen. So lockten man den Menschen die Dirhams aus der Tasche.

Plötzlich rollten aus allen Ecken eine Vielzahl Wagen mit den Garständen an, ehe man sich versah, waren die ersten Grills aufgebaut. Bänke und Tische wurden aufgestellt, die Holzkohle angefeuert. In der Tat eine unglaublich beeindruckende Atmosphäre! Auch streiften wir durch die ersten Gassen des riesigen Souks, der Anfangs sehr touristisch ist. Dann zurück zum Reisemobil, erst mal die Füße hochgelegt. Mit Einbruch der Dunkelheit gingen wir gemeinsam mit Sylvia und Reiner auf den Platz und suchten uns einen Garstand aus, der nicht von aufdringlichen Schleppern „beworben“ wurde. Fast gleichzeitig entscheiden wir uns für einen bestimmten Stand, vier Seelen ein Gedanke. Dort, die zwei älteren Männer ließen es gelassener angehen, vorwiegend Einheimische aßen dort. Calamares, Fisch, Pommes Frites, Auberginen, Brot und eine pikante Soße standen bald vor uns. Gegessen wurde ohne Besteck, das Brot diente zur Aufnahme der Beilagen, feines Packpapier gab es als Servietten. Es war zwar nicht alles warm, aber man konnte den Fisch gut essen. Nur das Addieren brachte der gute Mann hinterher nicht auf die Reihe, er schrieb 290 Dirham auf ein Stück Papier, mit 200 für alle Vier war er auch zufrieden, das entsprach weitgehend den ausgezeichneten Preisen. Nach einigen Beobachtungen in der Dunkelheit schlenderten wir zurück zum Reisemobil.
Marrakesch Souk

Bis der Muezzin gegen 5 Uhr sang, war es wunderbar ruhig... ist ja auch kein Wunder, hinter der Mauer liegt ein Friedhof. Der sah aus wie auf dem Land, Gras, Hügel, Kakteen und Störche, die auf dem nahen Sendemast nisteten. Morgens zwitscherten die Vögel, dazwischen klapperten die Störche. Es wäre fast idyllisch, wenn da nicht die vielen Reisemobile gewesen wären.

Auf in das bunte Leben des Souk, ein mannigfaches Erlebnis, hier gibt es fast alles, was das Herz begehrt, oder was man auch nicht braucht. Erst mal weg von dem umfangreichen touristischen Teil, immer weiter in die Tiefen der unübersichtlichen Gassen. Es war uns völlig egal, in welcher Richtung wir uns verliefen...
Die Kupferschmiede, die Lederfärber, die Wollfärber, das Viertel der Eisenschmiede, der Ledermarkt und vieles mehr bot sich unseren staunenden Augen. Je weiter man sich vom Djamâa-el-Fna entfernte, je ursprünglicher das Geschehen, einfach wunderbar anzusehen. Man kann diese unglaubliche Atmosphäre nur schwer in Worte fassen, der Lärm, die stinkenden Mopeds, die vielen Menschen, das Stimmengewirr, das Klappern und Hämmern der Handwerker, auch angenehme Gerüche, die vielen Verkaufsstände, man MUSS es einfach erleben.

Irgendwo ließen wir uns nieder, entspannten und tranken einer gut zubereiteten heißen Pfefferminztee. Ein neugierige kleine Katze sprang auf den Tisch und erhoffte sich was zu fressen. Der Shopbesitzter nebenan sprach ein wenig deutsch und zeigte uns sein Angebot, aber keine Dirhams wechselten den Besitzer. Später verleiteten uns rechteckige Pfannkuchen, die eine freundliche Frau frisch zubereitete. Wir ließen uns zwei sehr heiße Exemplare in Papier umwickelt auf die Hand geben, lecker gewürzt, ein paar Dirham und der Mittagshunger war gestillt. 

Das Museum von Marrakesch interessierte uns auch, untergebracht in einem gut restaurierten Palast aus dem 19. Jahrhundert. Um einen 700 qm großen Innenhof mit Marmor- und Mosaikböden gruppieren sich um mehrere Salons und dem Hammam. Großartig bemalte Stuckelemente, kunstvoll geschnitzte Zedernholzdecken und ebenso schöne Türen stellten sich in aller Pracht dar. Einfach mal hinsetzen und bei der melodiösen angenehmen Hintergrundmusik das Ganze auf sich wirken lassen. Schööön... In den Vitrinen waren ein wenig Schmuck, Stoffe und Waffen ausgestellt.

Es dauerte eine gewisse Zeit, bis wir die richtige Richtung zurück zum Djamâa-el-Fna hatten. Die Suche nach einem Portmonee war erfolglos. Eins war nicht schlecht, 60 Dirham war der Anfangspreis, wir haben kein Angebot gemacht. Der Verkäufer lief uns hinterher, wir verstanden 10 Dirham, aber zurück am Stand waren es 20 Dirham, so gut war es auch nicht, Thema erledigt. Jetzt spürten wir wieder unsere Füße, noch einige leckere frisch gepresste Orangensäfte auf dem Djamâa-el-Fna geschlürft, dann im Reisemobil die Füße hochgelegt.

Djamâa-el-Fna

Nur keine Müdigkeit vorschützen, es geht wieder los, am Nachmittag saßen wir auf der Dachterrasse des „ersten“ Cafés des Platzes in der ersten Reihe. Ein herrlicher Überblick über den ganzen Platz, über eine Stunde haben wir geschaut, es war nicht eine Minute langweilig. Wie am Vortag kamen aus allen Ecken die Karren mit den Garständen, Gestänge klapperten, Zeltplanen wurden als Dächer gespannt, bald qualmten wieder die ersten Grills. Ein interessantes Geschehen, dass man kaum umfassend beschreiben kann. 

Aber eins will ich doch loswerden, einige Touristen liefen herum, als wenn sie am Strand wären. Einige meiner Artgenossen aus Europa würde ich in dem Aufzug noch nicht einmal grüßen. Auffällig, manche junge Frauen mit sehr kurzen Hosen und nackten Beinen bis zum Hintern, die Pobacken deutlich zu sehen. Knappe T-Shirts, der Busen wollte manchmal fast fliehen. Sah ja manchmal recht nett aus, aber der richtige Auftritt in so einem Land? Zwischendurch immer wieder die voll verschleierten marokkanischen Frauen, was die sich so gedacht haben? Die Männer schauten da schon grinsend und interessierter... ob die den Preis durchdachten?

Wir konnten uns nur schwer lösen, immer wieder schlenderten wir rund um den Djamâa-el-Fna, vorbei an den Gauklern, Musikanten und Wahrsagerinnen. Viele einzelne am Boden sitzende Menschen, die mal ein wenig trommelten, mal musizierten, dies und das anboten. Viele Frauen wollten der Anvertrauten Hennamalereien für die Hände oder Füße verkaufen. Die in kräftigen Rottönen gekleideten Wasserträger mit ihren Glocken boten sich immer wieder für ein Foto an, natürlich gegen ein Bakschisch von 5 Dirham. Ich konnte mich dazu nicht entschließen, es kam mir schon ein wenig dreist vor. Aber eine ärmliche gekleidete Frau trat einmal zu einem Wasserträger und sprach ihn an. Der Mann zog eine Messingschale aus den Rock und spritzte aus dem Wassersack in die Schale, die Frau trank daraus. Also doch noch nicht 100% Tourismus.

Bald dämmerte es, der Magen meldete sich. Überall die Schlepper vor den Garständen, die mal charmant, mal witzig, mal nervig ihr Essen anpriesen. Wir mögen solche Anmache nicht, ab und an waren die Burschen schon etwas lästig. Dann die Stände mit den gegarten Hammelköpfen, mit den gestreiften Muscheln... puh, da hörte der Essensspaß für uns auf! Warum kommt Hassan am Stand Nr. 114 ohne Schlepper aus? Warum war der Stand rundum voll, die Plätze überwiegend von Einheimischen besetzt? Bestimmt 10 Leute in weißen Kitteln wuselten innerhalb des Standes herum. Also, das war doch vielversprechend! Da, zwei Plätze sind frei geworden. Brot, Soße, Tajine und Spießchen für insgesamt 65 Dirham, alles appetitlich. Die Schlepperstände waren meistens nur schwach belegt, hier bei Hassan standen die Leute wartend in der zweiten Reihe und besetzten sofort jeden freiwerdenden Platz. Wir dachten uns, alles richtig gemacht. Zufrieden liefen wir weiter, nochmal ein wenig geschaut, dann bei noch immer dichtem Verkehr über den Boulevard gerannt, selbst bei grüner Fußgängerampel ist man vor den Zweirädern nicht sicher. Erleichtert öffneten wir bald die Tür des Big Grasshoppers, ein Stück Zuhause tat nach dem Trubel gut.   

Marrakesch dritter Tag

Ein Anruf aus Deutschland, der ADAC Fährendienst. Die nette weibliche Stimme sagte, ihre gebuchte Fähre ist storniert worden. Und jetzt? Eine Umbuchung zwei Tage früher war die einzige Alternative, so ein Ärger! Damit fiel Essaoira endgültig aus den Plan.

Aber jetzt nochmal los, ein wenig Kultur war „gebucht“. Denn unser Kombiticket (60 Dirham) vom Vortag von die Fondation Omar Benjelloun wies erst eine Entwertung auf. Auf zur Koranschule Medersa Beb Youssel, eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch. Die prachtvolle Gestaltung der Schule, insbesondere der Innenhof war beeindruckend. Das Wohnheim, mit 132 in verwinkelten Gängen verteilten Kammern auf zwei Etagen, in denen je zwei bis drei Studenten zwischen dem 14. und 27. Lebensjahr wohnten, ließen interessante Eindrücke zurück. Einmal für ein paar Stunden das Geschehen von damals miterleben, das ist an solchen historischen Stätten ein immer wiederkehrender Traum des Autors. 

In die Ausgrabungsstätte Koubba El-Badiyin (Almoravide), erst 1948 freigelegt, führten Stufen herunter zu einer Kuppel mit filigranen Dekor. Der Komplex war mal ein Mittelpunkt einer Brunnen-, Wasch- und Latrinenanlage (inzwischen geruchsfrei), etwa um 1120 errichtet. Dann bummelten wir durch den Souk zurück zum Djamâa-el-Fna, schlürften dort einen frischen Orangensaft an einen der vielen Stände. Eine nicht so alte Frau bettelte uns forsch an, sie war auf die zwei Dirham Wechselgeld erpicht. Da sie uns zu aufdringlich erschien, bekam sie das Geld nicht. Sie zupfte deutlich verärgert an dem umgehängten Pullover der besseren Hälfte, die fast schon um sich schlug. Wir haben gerne alten und gebrechlichen Menschen ein paar Dirhams in die Hand gedrückt, aber „Bettlerprofis“ nach Möglichkeit nicht berücksichtigt. Ein alter gebeugter Mann mit Krückstock tief im Souk drückte am Vortag aus Dank kurz streichelnd den Arm des Autors, das war noch nicht einmal unangenehm. Wir verabschiedeten ein wenig melancholisch vom Djamâa-el-Fna und hofften auf ein Wiedersehen in Marrakesch. 

Cascades d'Ouzoud

Das getunte Garmin führte uns fast elegant aus die Stadt, nur eine Schleife durch ein Stadttor wäre nicht erforderlich gewesen, ein wenig eng, aber hoch genug. Mitten durch einen Markt vorbei erreichten wir die Hauptstraße, alles bestens. Zunächst rollten wir durch eine flache langweilige Landschaft, dann wurde es wieder hügelig, grüne Wiesen und Sträucher boten mal wieder ein völlig anderes Bild.

In Ouzoud angekommen, stürzten sich etliche „Einweiser“ auf unser Mobil, wo wir überall übernachten könnten. Wir entschieden uns für den Parkplatz für 30 Dirham, dort stand bereits ein französisches Mobil. Ouzoud ist in der Berbersprache übrigens das Wort für Olive und bezieht sich auf die Olivenbäume in der Nähe des Wasserfalls.
Auf zu den höchsten und schönsten Wasserfällen Marokkos, die nicht weit vom Parkplatz entfernt waren. Vorbei an vielen Souvenirständen und Tajine-Restaurants sahen wir bald den sprühenden Wasserfall, der in der Nachmittagssonne einen Regenbogen bildete. Über mehrere Etagen stürzt das Wasser über 110 Meter vielfach über rötliche Sinterterrassen hinab, eine Augenweide. Vorbei an mehreren Aussichtspunkten, bis nach ganz nach unten und wieder hinauf, das war schon ein wenig schweißtreibend. Die Restaurants waren nicht unbedingt auf Abendessen eingestellt, so wurde nach längerer Zeit mal wieder die Reisemobilküche angeheizt.

Rabat und Salé

Heute hatten wir ein ordentlichen Stück Fahrt vor uns, Rabat oder Salé sollte uns eine Übernachtung bieten. Zunächst ging die Fahrt kurvig über Azilal vorbei an dem Stausee Bin-el-Ouidane bis auf 1.200 Meter Höhe. Leider war es dunstig, Fotos zu machen lohnte sich nicht. Der riesige Stausee wurde schon 1955 fertiggestellt. Die Staumauer wird vom Militär bewacht, das fotografieren der Staumauer, die wir überquerten, ist streng verboten. Hinter dem Stausee schraubten wir uns wieder in die Berge, die Straße war aber ordentlich zu fahren. Als wir die Ebene erreichten, wurde die Landschaft langweiliger, später eine schön anzusehende hüglige Gegend. Unterwegs in einer Region überall marokkanische Flaggen, sogar an den Autos. Später sahen wir viele Zelte, davor mal keine Dromedare, sondern Pferde. Was war das für ein Fest?

Am frühen Nachmittag erreichten wir Salé, eine Übernachtung auf dem Parkplatz an der Marina war nicht gestattet. In Rabat, hinter dem Hotel Ibis, liegt ein ummauerter bewachter Parkplatz, für 25 Dirham konnten wir hier unbehelligt übernachten.  

Rabat ist seit 1956 die Hauptstadt Marokkos mit dem Regierungssitz und dem Domizil des Königs. Die erste Besiedlung begann bereits im 10. Jahrhundert, die Stadt ist eine der vier Sultans- bzw. Königsstädte des Landes an der Atlantikküste. Am südlichen Ufer des Bou-Regreg gelegen, gegenüber der Nachbarstadt Salé.

Wir wollten den Souk von Salé erkunden, vor dem Hotel Ibis standen Mini-Taxis. Zu spät haben wir daran gedacht, dass diese Taxis sich ja nur innerhalb der Stadtgrenzen bewegen dürfen. Aber für 25 Dirham mit Trinkgeld wurden wir von einem ausgelutschten Fiat Uno an die Verbindungsbrücke über den Bou-Regreg gefahren, den Rest sind wir gelaufen, die alte Brücke über den Fluss ist für Fußgänger noch nutzbar, dann waren es nur wenige Schritte bis zum ersten Stadttor. 

Salé Souk al Kebir

So tauchten wir bald in den sehr ursprünglichen Souk ein. Hier kaufen fast ausschließlich Einheimische ein, sehr angenehm, keinerlei Anmache. Lange Zeit streiften wir durch die Gassen, ein überwältigender Anblick, ein mannigfaches Angebot für den marokkanischen Alltag. Unseren Hunger haben wir mit frisch gebackenen und mit Zwiebel und Gewürzen gefüllten Pfannkuchen von einem ordentlichen aussehenden Garstand gestillt, den ein junges Paar betrieb. Sapperlot, was waren die dicken Dinger heiß, aber sehr schmackhaft. Als Nachtisch gab es preiswert Leckereien aus einer Mini-Konditorei mit Straßenverkauf. Der Durst wurde mit einem großen Glas frisch gepressten (man konnte zuschauen) Orangen gestillt.

Weiter durch die Gassen, auch viele winzige Schmuckgeschäfte, wo die marokkanischen Frauen gerne stöberten. Einige kleine Moscheen waren einsehbar, der Muezzin hatte zum Abendgebet gerufen. Ein exotischer Anblick, hier hätte der Autor gerne Fotos gemacht. Aber selbst in den engen Gassen war fotografieren einfach nicht angemessen, aber die kleine Festplatte oben im Gehirn hatte noch Kapazitäten frei. Einige diskrete Schnappschüsse außerhalb dieser intimen Bereiche gelangen dann doch noch. 

Für den Rückweg hielten wir ein so genantes Grand-Taxi an, ein uralter 123er Mercedes. 50 Dirham wurde als Preis zum Hotel Ibis nach Rabat genannt. Nur der junge Bursche kannte den Weg nicht, er schaute in einen kleinen Übersichtsplan. Seine Fragen konnten wir nicht so recht beantworten. Also das ist doch ganz einfach, das Garmin angemacht und schon führte das Gerät zum Erstaunen des Fahrers den Weg. Am Hotel angekommen, haben wir mit Trinkgeld 60 Dirham überreicht. Der Fahrer begann zu palavern, die Tour wäre viel weiter gewesen, er wollte 120 Dirham für die gut 6 Kilometer haben. Nein, nein, mein Freund, wir haben eindeutig Hotel Ibis gesagt, der Preis war 50 Dirham. Wir sind mit dem Hinweis ausgestiegen, die Police zu rufen. Der Kerl hatte dann doch noch Glück, er bekam gleich wieder Fahrgäste, vielleicht hat ihn das beruhigt. 

Larache

Die Nachtruhe war ungestört, heute nutzen wir bis Larache die sehr gut ausgebaute Autobahn, insgesamt 74 Dirham an Mautgebühren sind angefallen. Autobahn fahren in Marokko, heißt immer auf Personen achten, die über die Straße laufen. In Larache gelang es nach einer Ehrenrunde direkt an der Markthalle zu parken, ein Parkwächter wies uns ein. Zunächst liefen wir zum Bab el Khemis, dahinter ein langgezogener Marktplatz, teilweise mit Flohmarktcharakter. Durch eine Fußgängerzone mit vielen Geschäften kamen wir wieder an den großen Platz mit Springbrunnen auf dem Kinder mit großen Elektroautos kurvten. Entlang der Promenade, die teilweise erweitert wurde und noch im Bau war, erreichten wir die Markthalle, ein unglaubliches Tohuwabohu. In allen Ecken saßen Menschen, lebende Hühner und Kaninchen wurden angeboten und gekauft. Wir Europäer dürfen da nicht so genau hinsehen, wie hier mit den Tieren umgegangen wird. Viele Metzger, Obst und Gemüse mit reichhaltigen Angebot. Leckere große Erdbeeren und ein noch größeres Fladenbrot war die magere Ausbeute. Der Parkwächter freute sich über Alu-Blech aus Deutschland, nannte den Spender „Mein Bruder“. Bei der Ausfahrt aus der Stadt war die Straße versperrt. Wir sahen eine große singende Trauergemeinde über die Straße gehen. Das Holzgestell mit der in Tüchern gehüllte Leiche war geschultert, der Trauerzug bog vor unseren Augen in den Friedhof ab. 

Asilah

Auf der Landstraße bummelten wir nach Asilah, direkt am Hafen mit Blick auf die Kasbahmauer standen einige Reisemobile, wenig später wir auch, sehr schöner Stellplatz. Allerdings wurden am Abend 50 Dirham kassiert, das ist für marokkanische Verhältnisse ein stolzer Preis, zumal keinerlei Service geboten wurde. Selbst der Schuhputzer, der ans Reisemobil kam, verlangte für zwei Paar Schuhe, die er sehr gründlich geputzt hat, 20 Dirham. In Ordnung, es war ja Sonntag... Dann kam noch der Gebäckverkäufer, sein Angebot fein mit Folie abgedeckt. Frisch und lecker, er war nicht teuer, aber in Salé hatten wir die Hälfte bezahlt. In einem Touristenort kostet es eben immer etwas mehr. Dem Mann mit Holzarbeiten aus Essaouria konnten wir leider nicht helfen, obwohl der klappbare Hocker oder Tischchen nicht teuer war, aber die Platte gefiel uns nicht. Er ging los und holte ein andere Platte, aber die war schlecht gearbeitet und gekittet.

Im Ort eine gepflegte weiße Medina, nette Gassen zum flanieren, viele Häuser wurden von Künstlern bemalt. Am heutigen Sonntagnachmittag schlenderten die Menschen zur äußeren Festungsmauer, die die Portugieser hinterlassen haben. Viele Einheimische saßen auf der Außenmauer, schauten auf das Meer und in die tiefstehende Sonne, eine äußerst friedliche Atmosphäre. Entspannt ließen wir uns später nieder, schlürften mal wieder einen Tee Minze und beobachteten ein wenig wehmütig das bunte Geschehen um uns herum, die letzte Nacht in Marokko.

Im netten Restaurant de Plage ließen wir uns am Abend ein wenig verwöhnen, eine gute gemischte Fischplatte für 120 Dirham, von der Menge durchaus für zwei Personen ausreichend. Aber auch die Portion Calamares waren nicht wenig und gut zubereitet. Ein wenig übersättigt, dennoch ein gelungener Abschlussabend unserer Reise. Im Reisemobil wurde zum ersten Mal auf unserer Tour die Sat-Antenne ausgefahren, unsere gerne gesehene Kultsendung „Zimmer frei“ im WDR war gut zu empfangen.  
 
Cromlech de M'Soure

Einer ruhigen Nacht schloss sich ein gemütliches Frühstück an. Die Schulz Autoren schreiben, es gibt einen nicht ausgeschilderten wohnmobiltauglichen Weg zu dem prähistorischen Steinkreis Cromlech de M'Soure. Die Zeit holt das Geschriebene auch hier ein, am Abzweig stand ein feines Schild, was auf die historische Stätte hinwies. Dort angekommen schloss gerade ein gebrechlicher Mann im Rollstuhl das Tor zum inzwischen ummauerten Gelände mit Verwaltungsgebäude auf. Ein Mann im Overall und der Aufschrift „Security“ passte schön auf uns auf, hilfreich war er auch, denn er vertrieb die plötzlich aufgetauchten kläffenden Hunde. Was haben sich nur die Menschen damals gedacht, als sie diesen Steinkreis errichteten? Übrigens, einzigartig in Nordafrika. Natürlich entstand ein Foto an dem höchsten Stein, der um die 6 Meter messen soll. Der Mann im Rollstuhl hatte ein Gästebuch in der Hand, auch wir verewigten uns dort. Natürlich blieb für die beiden ein Bakschisch zurück.

Wagenpflege

Die Straße Richtung Tetouan war teilweise ein wenig wellig, das Mobil unterwarf sich immer wieder einem Stoßdämpfertest. Kurz vor Tanger tauchte eine große Tankstelle mit hohen Waschhallen auf. Unser Mobil war noch vom Wüstenstaub ordentlich verdreckt, also mal fragen. Waschen und polieren? Ja, das ist möglich, ein junger Mann sprach ein wenig englisch. Poliermittel, Watte und weiche Tücher hatte ich mitgenommen. Gesagt getan, das Mobil erhielt eine gründliche manuelle Wäsche mit Stielwaschbürste und reichlich Wasser. Nach dem trocken mit Ledertuch in der Sonne wurde das Mobil an eine Mauer gefahren, jetzt wurde das Konservierungsmittel ringsherum aufgetragen und auspoliert. Die Mauer war insofern hilfreich, da keine Klappleiter vorhanden war. Von der Mauer konnte der junge Mann prima auch den oberen Teil des Big Grasshoppers konservieren. Die ganze gut zweieinhalbstündige Aktion hat mit großzügigem Trinkgeld 150 Dirham gekostet, also knapp 14 Euro. Gut, das Dach wurde nicht gewaschen, auch der Alkoven wurde nicht gewachst, weil man da nicht ran kam. Aber ein Großteil der heimischen Pflegearbeit war erledigt, der Pilot war zufrieden.

Hafen Tanger Med

Noch schnell den neueröffneten noch nicht vollständig eingerichteten Supermarkt Marjane aufgesucht, dann in aller Ruhe nach Tanger Med über die kurvige Küstenstraße gefahren. Die Formalitäten in dem ganz gut organisierten Hafen waren problemlos, unser arabischer Gruß erfreute das Personal, viele nette Kommentare. Auch hier zu sehen, die unglaublich bepackten heimkehrender Transporter, die beim Zoll durchsucht wurden. Alle Fahrzeuge mussten an einem riesigen Scanner auf einem Lkw vorbei, was auch immer da gesucht wurde. Das hat eine gewisse Zeit gedauert, die Marokkaner wurden hektisch beim Einfädeln, da es sich auf eine Spur verengte. Wir wurden mehrfach abgedrängt, Zeichensprache hat zu verstanden gegeben, was der Pilot davon hielt, siehe da, das Fahrzeug vor uns wollte uns vorlassen, ich winkte ab, denn jetzt war ich sowieso dran. Aber hinter uns war ein Pkw, der uns abdrängen wollte, der wurde aber vom Personal weg gepfiffen. Was die Leute damit eigentlich erreichen wollten? Sie kamen doch alle auf das Schiff, ob das eine Art Sport war? Unser Reisemobil wurde vor dem Einschiffen noch manuell durchsucht. Mehrere große Schränke, das Bad, die Heckgarage mussten geöffnet werden und unter dem Wagenboden wurde auch nachgeschaut. Nein, wir hatten kein Hauspersonal mit eingeschmuggelt! 
Gegen 20 Uhr konnten wir auf das Schiff fahren, einen prima Platz an der Seite erwischt. Diesmal hatten wir eine Außenkabine für drei Personen, die ein wenig größer war, als auf der Hinfahrt. Alles bestens. Am nächsten Tag grauer Himmel, das Schiff schaukelte stetig ein wenig. Viel Zeit diesen Reisebericht zu überarbeiten. Zwischendurch mal einen Espresso geschlürft und die Nase in den kalten Wind gehalten. Gegen Nachmittag wurden Reisetabletten eingenommen, denn das Schwanken verstärkte sich. Das Abendessen wurde nicht mit dem allergrößten Appetit eingenommen. Morgens legte das Schiff in Barcelona an, oh Graus, es regnete.       

Fazit

Marokko bietet landschaftlich einfach alles, ich versuche mal die Vielfalt zu beschreiben. Grüne, fast liebliche Almlandschaften und die Wälder der Nationalparks. Schneebedeckte hohe Berge Anfang März, karge Berglandschaften, famose rötliche Felsen- und Bergformationen, sowie tiefe Canyons. Eine vielfältige Wüste, trostlose Steppe, unendliche Steinwüsten und die famosen Sandwüsten. Nicht zu vergessen die Küsten, vom Mittelmeer bis zur unendlich langen Atlantikküste, mit vielen Sandstränden. 

Aber auch kulturelle Sehenswürdigkeiten und eindringliche orientalische Traditionen sind zu erleben. Fast immer freundliche Menschen, eine auf Touristen positiv getrimmte Polizei. Die Königsstädte mit ihren ursprünglichen Medinas, Paläste und Moscheen. Die Souks (Märkte) mit ihren unglaublichen vielzähligen Angeboten.
Marokko polarisiert uns Europäer, so liest man immer wieder. Entweder einmal besuchen und nie wieder, weil man mit dem für diesen Kulturkreis charakteristischen Verhaltensweisen nicht klar kommt. Oder man möchte immer wieder kommen, so wie wir.   

Karten, Navigation und Reiseführer

Es gibt von TomTom und Garmin Karten mit Straßennavigation, die allerdings Marokko noch nicht vollständig abdecken. Wir sind mit einem Garmin und zunächst mit der installierten World Map gefahren, damit ist eine Zielliniennavigation möglich, wenn man die GPS-Koordinaten aus den Reiseführern eingibt. So sieht man in welche Richtung man fahren muss, oder am Ziel, ob man sich nähert oder entfernt. Mit der Garminkarte Nordafrika gelingt insbesondere in den Städten eine gute Navigation. 
Als Landkarte haben wir die MICHELIN 742 im Maßstab 1:1.000.000 genutzt. Der umfangreiche Reise Know How Marokko 2012/13 (ja, die sind ihrer Zeit voraus) haben wir als sehr hilfreich empfunden, da zum Beispiel die Routen mit ihren Sehenswürdigkeiten gut nachvollziehbar waren. Der Campingführer von Edith Kohlbach 2011/12 ist eigentlich unentbehrlich. Ihren Reiseführer haben wir bei der Vorbereitung nicht wahr genommen. 

Den aktuellen WOMO-Führer (Schulz) hatten wir ergänzend auch mit. Die vielen Camping- und Stellplätze sind oft identisch, aber der eine oder andere abweichende Übernachtungstipp passte schon. Die begleitenden Texte sind nicht immer aussagekräftig, hin und wieder ein wenig respektlos geschrieben. Dennoch, verzichten würden wir darauf nicht.

Handeln ist nicht schwer

Übrigens, die Autoren im Schulz Führer empfehlen 50% zu bieten und dann zu verhandeln. Das entspricht fast nie den Gegebenheiten, insbesondere in den touristischen Souks. Wir empfehlen weniger als ein Drittel zu bieten und sich dann in etwa bei 35 bis 40% des erst verlangten Preises zu einigen. Wenn man konsequent ist, dann klappt das. Wenn man nicht weiter kommt, dann bedankt man sich und geht weiter, erstaunlich wie dann die Preise purzeln, so wie immer wieder erlebt. Aber eins ist klar, wird der akzeptierte gebotene Preis erreicht, dann besteht moralisch gesehen Kaufpflicht.

Menschen

Wir haben keine schlechten Erfahrungen gemacht, trotz mangelnder Sprachkenntnisse immer zuvorkommende liebenswürdige Reaktionen. Natürlich wollen etliche Marokkaner vom Reichtum der Touristen profitieren, manchmal ist das auch ein wenig lästig. Man tut gut daran, seine europäische Verhaltensmuster abzulegen und auch mal zuzuhören. Geht man freundlich und respektvoll mit den Leuten um, dann erreicht man auch gegenseitige Akzeptanz. 

Müll und Umwelt

Da gibt e nichts gutes zu berichten, der Müll wird an vielen Stellen einfach verbrannt. Manche Ortschaften kündigen sich durch herumfliegende Plastiktüten an, da hilft die dunkelste Sonnenbrille nichts. Riesige Müllkippen stinken und qualmen nicht selten und geben alle Giftstoffe das Plastikabfalls frei. Nix wie weg... Da werden nach Einschätzung des Autors noch Jahrzehnte vergehen, bis sich das Bewusstsein der Einheimischen verändert.

Übernachtungsplätze

Marokko ist für Reisemobilfahrer ein Eldorado, frei stehen wenn man möchte, oder man nutzt die unzähligen kleinen Campingplätze (eigentlich ist der Begriff oft ein wenig vermessen) mit Gebühren von unter 4 Euro bis ca. 8 Euro, die wir gerne bezahlt haben. Treuere Luxusplätze gibt es laut Reiseführer vereinzelt auch schon. Übernachtet haben wir auch direkt an den Medinas von Fès und Meknès gegen Gebühr, kostenlos bei Einkehr im Restaurant, z.B. am Erg Chebbi oder auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz vor der Ksar Ait Benhaddou. Die Sanitäreinrichtungen der Campingplätze haben wir nur zum Entsorgen der Toilette genutzt, ein autarkes Reisemobil ist in Marokko sehr sinnvoll. Gespart haben wir uns immer den Stromanschluss, die Sonne produzierte genug Energie.

Klima

Das Wetter war angenehm, außer mal ein paar Wolken nur Sonnenschein, Temperaturen bis zu 27 Grad, in der Nacht war es oft sehr kühl. Das ließ sich bestens ertragen. 

Das war es...

Die Reise hat uns ausgezeichnet gefallen, nur viel zu kurz. Aber das ließ sich dieses Jahr nicht anders planen. Der Wunsch nach einer erneuten Reise nach Marokko war schon auf der Rückfahrt zu spüren. 

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Zuletzt geändert von MobilLoewe am Di 17. Apr 2012, 21:05, insgesamt 7-mal geändert.
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von Anzeige » Sa 10. Mär 2012, 18:59

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Re: Marokko mit dem Reisemobil im Februar und März 2012

Beitragvon edith » So 11. Mär 2012, 08:06

Hallo mobiler Loewe,

erst einmal herzlichen Dank für deinen Bericht. Aber ganz offensichtlich weisst du nicht, dass es auch von mir ein Reisehandbuch gibt, das sehr viel häufiger aktualisiert wird als das reise KnowHow. Mein Campingführer ist ja nur ein Anhängsel davon.
Allzeit gute Reise
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Re: Marokko mit dem Reisemobil im Februar und März 2012

Beitragvon MobilLoewe » So 11. Mär 2012, 22:38

Hallo Edtih,

man lernt nie aus ... die nächste Reise nach Marokko wird meine Reisebibliothek vervollständigen.

Habe gerade meinen Bericht mit dem heutigen Tag aktualisiert.
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