schon für den 9.1. hatte sich ein Paar mit Wohnmobil angekündigt. Aber zuvor musste ich mit Abdou dringend nach Marrakech zum Einkaufen und drängte auf eine rechtzeitige Rückkehr, schon um 5.30 Uhr brachen wir auf. Ich schlummerte so vor mich hin, als ich im Dratal mal die Augen aufmachte, sah ich ein deutsches Wohnmobil, das eben auf einen Parkplatz fuhr. Wir unmittelbar dahinter, ich schrie dem Fahrer zu, stopp und sprang hinaus. Man glaubt es nicht, aber es waren Helga und Werner auf dem Weg nach Mhamid. Die ersten waren schon gefunden. Und sie hatten bereits in Agdz ein weiteres Paar getroffen, das zum Treffen wollte.
Weiter gings durch Zagora, wo am Ortsausgang wieder ein Wohnmobil stand, aus Leipzig. Drinnen ein einzelner Herr, der völlig verzweifelt schien und nur schimpfte. Was wollen eigentlich die vielen Kinder auf der Straße, haben Sie die gesehen? Tja, Schule war aus. Ich hatte den Leipziger in Meski bereits getroffen und ihm einen Aufkleber in die Hand gedrückt. Und nun war er den langen Weg von Merzouga in einem Stück durchgefahren, ich hatte den Eindruck, weil er hier auf eine einzelne Dame zu treffen hoffte. Er war zwar nicht angemeldet, aber ich erklärte ihm den Weg nach Mhamid.
Und tatsächlich war er der erste, der ankam, kurz danach Helga und Werner. In der kurzen Zeit, die wir dann zu einem Tee zusammen saßen (wer hat den bestellt?!), stellte er sich als solcher Kotzbrocken heraus, der das ganze Treffen geschmissen hätte. Alles passte ihm nicht. Warum ist die Straße nur einspurig? In Leipzig sind alle zweispurig. Unglaublich, was da alles noch kam. Trotzdem drückte ich ihm ein Programm in die Hand, sagte, er könne gerne kostenlos vor der Kasbah übernachten und sich überlegen, ob er teilnimmt oder nicht. Wenn er nun schon mal den langen Weg extra wegen mir gekommen war. Daraufhin zog er sich in seine Burg zurück und richtete seine Schüssel aus. Als ich am nächsten Morgen vor dem Haus stand setzte sich plötzlich sein Wohnmobil in Bewegung und er fuhr ohne Abschied davon. Seufz, plumps, ein Problem gelöst. Hamdullilah.
10.1.
Ich wollte noch den Stellplatz Iguidi Tours erkunden, der am Beginn der Wüstenpiste liegt und den mir ein Leser als Tipp geschickt hatte. Also lud ich Helga und Werner ins Auto und wir machten uns auf die Suche. Und wurden fündig. Das ist mal was ganz anderes als die immerhin sehr schönen Campingplätze in Mhamid, das ist echtes Wüstenfeeling. Zu Beginn 2 km holprige Piste, aber kein Sand. Zu fahren von Wohnmobilen, die sich so was zutrauen. Dann kommt man zu einem wirklich bezaubernden Örtchen, umgeben von niedrigen Sanddünen. Eine große, harte Ebene fasst sicher 20 Gefährte, dazu gehört ein gemütliches, liebevoll eingerichtetes Haus, in dem man auch einfach Zimmer mieten kann, sowie eine Biwakanlage, wo man in Zelten schläft. Der Sanitärblock ist gleich beim Stellplatz und sauber gekachelt, das Duschwasser wird mit Holz geheizt. Ganz besonders hat mir aber der herzliche Empfang gefallen. Die Onkel und Neffen sind noch sehr traditionell, nicht westlich verfärbt, kochen den Tee über einem Holzfeuer und sind sehr nett. Ich denke, hier ein paar Tage zu bleiben ermöglicht einen tollen Einblick in das einfache Leben der Menschen. Und die vielen Musikinstrumente ließen auf gemütliche Abende schließen.
Zurück in der Kasbah erstmal Enttäuschung, was, kein anderes Wohnmobil da? Doch als ich sehr genau schaute, stand da das winzige Gefährt von Sabine und Otto. Das soll ein Wohnmobil sein? Aber Sabine zeigte uns stolz das Innere des Peugeots, ja, alles drin, Bett, Küche, Kühlschrank, alles auf kleinstem Raum und funktionell. Natürlich keine Nasszelle.
Als nächstes kam ein Geländewagen mit Luise, Sigrid, Gerhard und … Puh, nun hat mich mein Gedächtnis verlassen. Wir sind zwar dabei, alle Namen zu speichern, aber noch ist nicht alles drin. Und als letzte dann das Wohnmobil, das schon in Adgz gesichtet worden war. Die Truppe war zusammen, rechtzeitig für 15 Uhr, denn da hatte ich eine Überraschung angekündigt.
Jungen und Mädchen wurden getrennt, ich hatte mir das als guten Einstieg gedacht, um sich besser kennenzulernen. Während die Mädels ziemlich schnell rausbekamen, dass es in die Hammam gehen sollte, hatten die Jungs keinen blassen Dunst, was ihnen bevorstand, aber waren für alles bereit. Und als wir dann im Dar Azawad ankamen und sie erfuhren, dass es auf Quads in den großen „Sandkasten“ gehen sollte, da hättet ihr mal sehen sollen, wie ihre Augen geleuchtet haben. Noch keiner hatte so was je gemacht, aber alle hatten es sich insgeheim gewünscht. Leider konnte ich nicht dabei sein und zuschauen, aber als wir abends wieder vereint waren, war klar, das war das Highlight ihrer bisherigen Reise. Ja, Umwelt und so. Alles richtig. Aber einmal sich austoben ist doch auch schön.
Aber auch den Frauen gefiel es in der Hammam. Während die Vierer-Gruppe gerade von einer Hochzeitsfeier in Fes kam und mit der Brautgesellschaft bereits eine traditionelle Hammam besucht hatte, war dies für die anderen neu und auch hier gab es nur Begeisterung.
Zurück in der Kasbah musste ich mal wieder, wie schon den ganzen Tag über, meine Stippvisite in der Küche machen. Mhamid ist nicht unbedingt ein kulinarisches Highlight, und nachdem ich drei Wochen lang immer den gleichen Salat, immer Orangen als Nachtisch bekommen hatte, wollte ich endlich mal ein wenig Pep in die Küche bringen. Mit dem Koch zusammen bereitete ich also verschiedene Salate und einen Obstsalat für den Abend vor, aber der Rest machte der Koch schon selbst. War schön mit ihm zu arbeiten.
Das Essen lief dann erwartungsgemäß gut ab, aber dann kam noch eine weitere Überraschung, eine Musikgruppe, von der selbst ich nichts wusste. Und die ich so auch noch nicht erlebt hatte. Natürlich habe ich schon viele Musikabende in der Wüste erlebt, wo die Trommeln und Kastagnetten gespielt werden, aber hier kamen mit Gesichtsschleier verhüllte Tuareg mit elektrischer Gitarre und Verstärker. Schon ein wenig überraschend. Aber sie haben mich überzeugt. Sie sangen die traditionellen Lieder der blauen Männer in der Berbersprache, die natürlich vom Leben und der Liebe handeln und am Ende hielt es Keinen auf seinem Stuhl.







