Libyen November 2010




Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » So 25. Sep 2011, 14:41

Nach Libyen zu Reisen war schon lange unser Traum - es war nicht einfach für diese Tour Reisepartner zu finden.
Per Suchanfragen im Buschtaxiforum beiderseits haben wir uns zusammen mit einer Familie aus München auf den Weg gemacht.
Hier die Bilder der Reise
http://stippo.jimdo.com/libyen-2010/
15.10. 0:45 Wir treffen uns in Landsberg und fahren via Schweiz Richtung Genua. In Busalla machen wir Rast und schlafen ein paar Stunden.Um 13:00 sind wir im Hafen angekommen und warten auf die Carthage. 18:15 legen wir ab fahren bei ruhiger See gen Tunis. 20 Stunden später sind wir in Tunis - erledigen die Zoll und Papierformalitäten. Erst mal Volltanken und weiter Richtung Süden. Unterwegs fällt auf einmal das Hydraulische Fahrwerk aus und geht in die LOW Position - d.h. der Abstand zwischen Achse und Anschlaggummi am Rahmen ist nur noch 3cm! Kurz vor die Libysche Grenze schlagen wir unser Nachtlager auf. nach Erledigung der Grenzformalitäten in Tunesien und Libyen - hat ca 4 Stunden gedauert, empfangen wir unseren Begleiter (Sadid), kaufen in Zuara noch Lebensmittel ein und fahren dann nach Nalut - Übernachten auf einem Plateau. Am nächsten Morgen fahren wir in die Stadt, um uns den "Dreiecksstempel" in die Pässe machen zu lassen - kostet 69 LD. Auf dem Weg nach Ghadames machen wir Rast in einem Cafe in Darj um eine kleinigkeite zu Essen und zu Trinken. 16:30 wir kommen in Ghadames an und checken gleich den Stadplan um den Stellplatz im Hof eines kleinen Hotels. Ich versuche das Fahrwerk wieder zu aktivieren - ohne Erfolg! - Ich bin richtig Sauer - aber deswegen die Reise abbrechen? Dann fahren wir halt im "Porschemodus" weiter.
Am nächsten Morgen erkunden wir die Altstadt von Ghadames - einfach klasse. Nachmittag setzen wir uns wieder nach Darj in Bewegung. Dort füllen wir ca 100l Wasser und 250L Diesel auf. Wir wollen von hier aus ca 1000km durchs Gelände nach Al Awaynat (kurz vor Ghat) mit Abstecher in die Tassili Ausläufer, die von Algerien herüber reichen sowie ins Maghidat.
Gute Fahrt...........................
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon edith » Mo 26. Sep 2011, 05:48

Ist ja schon mal prima. Aber nun bin ich gespannt auf die Fortsetzung. Oder stimmt wieder was mit dem Forum nicht?
Allzeit gute Reise
Edith
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » Mo 26. Sep 2011, 16:09

Mit dem Forum ist alles in Ordnung - es geht ja schon weiter :arrow:

Die Piste ist nicht besonders gut zu befahren. 17:45 schlagen unser Lager in der Hamada Al Hamra auf. Die Sonne geht unter - es wird frisch und wir gehen um 22 Uhr ins Bett. Um 7 Uhr stehen wir auf - es hat 11°C und Frühstücken erst mal. Wir fahren von der miesen Piste runter und kürzen ab. Mittagsrast bei einem Orientierungs - Steinhaufen. Es hat jetzt angenehme 27°C und der Wind bläst mächtig. Nachmittags erreichen wir die ersten Ausläufer des Erg Ubari, lassen Luft aus den Reifen (auf 1,3bar) und fahren jetzt im Sand weiter - eine wohltat gegenüber der Hamada. Wir kommen gut voran - nach jedem Dünenfeld kommt eine großflächige Ebene - "Brettl-eben". 16:45 schlagen wir unser Lager auf. Ich versuche nochmal am Fahrwerk etwas aus......

Inge kocht Couscous mit Gemüse und Rindfleisch - lecker :-) Sadik isst das Fleisch aber nicht. Wir haben extra nur Rindfleisch eingekauft. Der Topf wurde trotzdem leer. Amelie (3 Jahre alt) hat noch ihrem Schnuller verabschiedet und vergraben - für die Zahnfee! Es ist heute sehr mild und sitzen bis spät in die 4te Nacht. Nachts hat es etwas geregnet und es wird windiger - wir wickeln die beiden Kinder in unsere Sitzfelle. Der Wind wird heftiger - wir fahren los - mit 100 Sachen geht es durch die Ebenen - einige dunkle Stellen sind sehr weich und wie Puder - 1. Gang und Vollgas - wir quälen uns durch und bleiben zum Glück nicht stecken. Wir entscheiden uns nach Westen abzubiegen und die Ausläufer des Erg Zarzaratin im algerischen Grenzgebiet zu durchfahren. Die Farbe des Sandes ist extrem Rot - klasse!

Bei einer Rast bläst uns der Wind fast vom Fleck. Die Sicht wird immer schlechter. Patrik verliert etwas Flüssigkeit und bleiben nochmal stehen - wir nutzen die Zeit und erkunden die nähre Umgebung - finden Pfeilspitzen, Reibschalen und Schmuck. Bei 35°C gehts weiter. Fahren nun wieder nach Süden, um die Grenze nicht zu übertreten. Müssen immer wieder über hohe Spitzdünen (steil hoch - Kante - steil runter) Unser Wagen ist viel zu tief um relativ locker drüber zu kommen - brauche dadurch mehr Schwung , aber ja nicht zuviel - ein Sprung wäre die Katastrophe! An einer benötigen wir 5 Versuch um drüber zu kommen. Wir laufen die Dünen vorher ab, um sicher zu gehen, daß wir keinen Trichter erwischen. Das Gelände ist für uns nur noch nach Südwesten befahrbar - die Grenze kommt immer näher und Sadik hat Angst erwischt zu werden. Für heute reichts - es war sehr Anstrengend mit dem Fahrwerk und der schlechten Sicht. Es ist schon spät und Kochen heute nur ein "Fertigprodukt" - chinmesische Nudeln. Gegen 22Uhr lässt der Wind nach und wir machen ein kleines Feuer.

Der Einstieg ins Gelände,Darj liegt nun 400km zurück. Um 24 Uhr gehen wir ins Bett.

Fortsetzung folgt.....
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » Di 27. Sep 2011, 10:55

Fortsetzung...

Ich stehe früh auf um Fotos zu machen - der Himmel ist klar. Nach dem Frühstück fahren wir weiter - es sind sehr hohe Dünenfelder zu queren und kommen an die Grenze des für uns machbaren und immer noch weiter an die algerische Grenze. Patrik und ich laufen hunderte Meter ab und markieren den fahrbaren Weg. Dadurch sind wir gut durchgekommen, um halb zwei sind wir durch und erreichen flacheres Terrain. Der Wind trägt sehr viel Sand und Staub mit sich und begrenzt die Sichtweite auf ~300m. Bei 34°C werden die Reifen wieder auf 1,8 und 2 bar aufgepumpt. Haben mittlerweile ca 400 Dünenkilometer hinter uns. Und das mit unserem defekten/tiergelegtem Fahrwerk. Patrik nennt unseren Landcruiser nur noch Porsche :-). Fahren weiter - nun östlich am Erg entlang und hoffen so auf die N/S Piste zu treffen. Durchqueren nun eine Hügellandschaft aus lauter Schieferplatten - Die üblen, teilweise weggewaschenen Pisten verlaufen im nichts. Am Rande eines Flussbetts schlagen wir unser Lager auf. Inge und Judith kochen Nudeln mit Gemüse und Tomatensoße. In der Zwischenzeit laufe ich die umliegenden Hügel ab, um einen Ausstieg aus den Canyons zu finden und werde fündig. Nach dem Essen und einem Gläschen Wein treibt uns der wind um 22 Uhr ins Bett.
Haben sehr gut geschlafen. Bei bedecktem Himmel fahren wir in den ausgespähten Wadis aus dem zerklüftetem Gebiet immer ostwärts und treffen auf eine N/S ausgerichtete Piste. Mittags treffen wir auf den Brunnen Ain el Halou. dort rasten 2 Fahrzeuge mit Franzosen und 2 mit Begleitern und Guides. Jetzt ist erstmal eine Dusche angesagt. Also Wassersack füllen, ans Auto hängen und bei 36°C Lufttemperatur duschen - herrlich :-) . Weiter gehts auf der Wellblechpiste - die Sicht ist wieder besser - es hat nun 44°C. Wir stoßen auf das nächste Dünengebiet vom Erg Ubari - also Luft aus den Reifen und weiter. Sadik will nicht mehr in die Dünen, er will nach Al Awaynat. Wir fahren trotzdem wieder Richtung Westen am Erg entlang, um zu den Ausläufern des Tassili zu gelangen. Wir fahren an einer Felskante einen steilen Berg hinab, die sich gut bewältigen lässt, da sie mit Sand eingeweht ist. An einer Baumgruppe schlagen wir wieder unser Lager auf und sammeln Brennholz um frisches Brot zu backen. Es fängt an leicht zu Regnen und eine Windböe hebt unsere Markise übers Auto - zum Glück ist aber nichts kaputt gegangen. Heute gibts Spaghetti mit Muscheln - wieder mal ein Gaumenschmaus. Um 20 Uhr haben wir immer noch 31°C und backen das Brot. Die 7te Nacht ist Windstill und wir genießen die Aussicht beim Frühstück. Beim Restmüll zerkleinern und verpacken bricht mir der Stil meiner Sandschaufel - irgendwie geht in diesem Urlaub alles Kaputt, was ich anlange. Wenigstens hält der Kompressor - also Luft wieder rein und fahren nach Südwesten in den Maghidat. Auf dem Weg dorthin gibt es wahnsinnig viele tolle Landschaftsformen zu Fotografieren und machen dadurch öfters Rast. Über große Felsplatten und -steine bahnen wir uns den Weg durch dieses fantastische Gebiet. Fahren weit in ein Tal nach Westen und stellen fest, dass dies nicht der richtige Einstieg zum Maghidat war und drehen wieder um. Bei Patrik wir der Verschluss des Dachzeltes noch repariert und danach gehts weiter nun im richtigen Tal ins Maghidat (Von uns auch Legoland genannt :-) ) Diese Steinformationen mit den Sandverwehungen inspirieren die Vorstellungen von Gnomen, Gesichter und sonstigen Gebilden. Haben einen schönen Übernachtungsplatz inmitten der Formationen gefunden und bleiben hier einen Tag, um das Gebiet, dass wie ein Labyrinth erscheint, zu Fuß zu erkunden. Es gibt zu frischem Sandbrot Knödel mit Pilzrahmsoße.
Es ist herrlich hier - man kann sich kaum satt sehen!

Fortsetzung folgt.....
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon vanguard » Di 27. Sep 2011, 22:30

Super Bericht !Danke
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » Mi 28. Sep 2011, 13:47

Fortsetzung...

Wir stehen erst um 8Uhr auf, Backen Naanbrot auf und Frühstücken ausgiebig. Ab 9Uhr brennt die Sonne schon heftig auf uns herunter und unternehmen noch mal ausgiebige Spaziergänge durch die Steinformationen, die Schatten bieten. Mittag fahren wir gen Osten noch 1 Stunde durchs Labyrinth, weitere 60km auf schlechter Piste auf einen Erg (Nörlich von Ghat, WSW von Al Awaynat) zu. Am Fuße angelangt lassen wir wieder die Luft aus den Reifen und fahren gegen die "Windschattenseite" rein. Ich bin immer noch am überlegen, wie ich in Maknusa das sch... Fahrwerk wieder hinbekomme. Fahren einige Spitzdünen an und versuchen einen Weg zu finden. Wir beschließen uns nicht durchzuquälen und fahren außen rum am Erg entlang auf die andere Seite - unseren eigentlichen Zielpunkt. Fast hätten wir während der Fahrt unseren Wassersack verloren - waren wohl etwas zu schnell Unterwegs :-)
Auf Höhe des Gebirgseinschnittes, das auf die Strecke von Ghat nach Al Awaynat führt campieren wir in den Dünen und kochen "falsches" Couscous (mit REIS). Sitzen noch lange in der warmen Nacht und betrachten den einzigartigen Sternenhimmel. Sadik hat nun Handyempfang und telefoniert lange mit seiner Familie und seiner Behörde. Mit unserem Handy haben wir hier keinen Empfang. Aber über das Satelliten Telefon haben wir eine Nachricht erhalten, zwecks einem Treffpunkt im Erg Murzuk.
Am nächsten Tag, Top Wetter, noch zum Fotografieren, Reifen aufpumpen und per Piste durchs Gebirge, weiter auf der Teerstraße nach Al Awaynat - auch Serdeles genannt.
Tanken erst mal 67 Liter Diesel nach (10,5 LD), kaufen Wasser, Brot, Harissa, ...
Haben in den letzten Tagen 120 L Wasser verbraucht und sind seit Darj ~ 900km durch die verschiedensten Landschaften gefahren.
Bis nach Ubari (Maknusa) noch ~ 250km Teerstraße - wie Wellblech und Schlaglöcher. In Ubari klappern wir sämtliche Werkstätten ab, um mit deren Hilfe das Problem am Fahrwerk zu Beheben. Mit hydraulischem Fahrwerk kennt sich hier aber keiner aus. Patrik hat in der Zwischenzeit sein Fahrzeug inspiziert und festgestellt, dass er an der Vorderachse eine Schraube verloren hat! Ich bearbeite ihm noch eine, eigentlich unpassende Schraube, mit Kaltmetall, auf Maß zugefeilt und geschliffen. Patrik und Ich drehen die Achse wieder auf Position und montieren die Schraube - passt. Nach mehreren Versuchen in verschiedensten Werkstätten und einer Öl-Bohrfirma kauf ich mir in einem kleinen Laden passende Schmiernippel, eine Fettpresse und Fett, um am Fahrwerk jedes einzelne Reservoir zu füllen. Mittlerweile ist es halb sechs - Patrik kauft noch Motoröl, dann fahren wir weiter und sind um 19 Uhr am Campingplatz in Maknus bei Germa. Sadik teilt uns mit, dass er uns morgen verlässt - sein Nachfolger wartet schon im Cafe auf dem Campingplatz. Nach dem Aufbau gehen wir auch ins Cafe, bestellen Couscous und unterhalten uns mit Issa bis Mitternacht. Es spricht mehrere Sprachen - auch etwas Deutsch. die Nacht ist recht kühl und hier fressen uns die Moskitos.
Donnerstag, nach dem Frühstück ist Wäsche waschen und Reparatur der Autos angesagt.
Die gekauften Schmiernippel sind nicht dicht - also alles wieder zurückbauen :-( Dann an den Sensoren herumgeschraubt und ver- / eingestellt steht der Wagen wieder ~5 cm höher auf Normalmodus. Beratschlagen, ob wie heute noch in den Sand fahren oder nicht. Ich entscheide mich für Morgen - einen Tag ausspannen :-) Abends noch Diesel und Wasser getankt, damit es morgen gleich losgehen kann. Machen noch eine Wanderung durch die Oase.
Am nächsten Morgen bezahlen wir noch den CP (20 LD), kaufen Brot, lassen die Luft raus und los gehts zu den Mandaraseen. Patrik benötigt 2 Anläufe, um die Einstiegsdüne zu erklimmen. Auf dem Dünenplateau gehts mit 100 Sachen Richtung Mandara und erreichen den ausgetrockneten See um 10:45. 3km weiter liegt der Um el Ma (Mutter aller Seen) in idyllischer Palmenumrandung - ein TRAUM ! Es werden viele Fotos aus jeder Perspektive gemacht. Judith geht mit den Kindern baden. Durch die schnelle Verdunstung des Wassers ist hier die Wasseroberfläche kalt und tiefer warm. Durch den hohen Salzgehalt (etwa 7mal höher, als im Mittelmeer) ist recht einfach, im Wasser ruhig liegen zu bleiben. NAch einer Brotzeit gehts 24km weiter durch schöne Dünenlandschaft nach Gabroon (verlassener Ort) und zum See ein Stückchen weiter. Unterwegs hält Patrik auf einmal an und alle springen aus dem Auto - > Kabelbrand. Die Ursache ist schnell erkannt und behoben. Nach durchlüften des Fahrzeugs setzen wir uns wieder in Bewegung. Um 15:45 sind wir am Gabroon See - er liegt auch sehr schön eingewachsen mit Palmen gesäumt - hier gehts allerdings zu, wie am Münchner Stachus. Von Duneskiing über Quadvermietung zu Souvenierläden, alles zu haben. Entschließen uns nach Erkundung und kurzem Aufenthalt, direkt "luftlinie" zum Um el Ma zu fahren und kommen 45min später an einem klasse Übernachtungsplatz auf einer Dünenkuppe mit klasse Aussicht auf den See und die Umgebung, an. Nach Spaghetti mit Tomatensoße und Dosenfleisch sitzen wir noch lange bis in die Nacht, schwärmen vom erlebten und genießen den wolkenlosen Sternenhimmel. Patrik schläft am Tisch ein und schnarcht :-)
Um 7 Uhr am nächsten Morgen schraubt Patrik schon an seiner Elektrik - es ist doch mehr Kaputt als angenommen. Der Kabelbaum für GPS, Kühlschrank, Beleuchtung,... Unser Wagen ist auch schon wieder "abgesackt" - egal, wühlen uns am späten Vormittag wieder durch den "schweren" Sand nach Germa. Durch die Engstellen und über einige Dünen ist es ein "ungutes" Gefühl, wegen plötzlichem Gegenverkehr (Samstag ist freier Tag bei den Libyern - und scheinbar fahr alle an die Seen)
Dieselverbrauch auf die Hundert gefahrenen km: Patrik mit seinem J8 ~ 30L, wir mit unseren J10 ~25L. Habe echt Bedenken. "Mit dem Fahrwerk durch den Murzuk"?

Fortsetzung folgt...
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » Fr 30. Sep 2011, 11:43

Wir fahren! Kaufen noch mal für die nächsten ~7 Tage ein, Tanken voll (25L = 5LD) und setzen uns auf Teerstraße nach Murzuk in Bewegung. Bei den Bewässerungskreisen sammeln wir noch Holz, verzurren es gut und biegen kurz vor Murzuk rechts auf eine Piste , Luft aus den Reifen und rein in die gigantische Dünenlandschaft. Die Dünen werden immer höher. Gegen 16:30 schlagen wir unser Lager auf einem hohen Dünenrücken auf - ein Ausblick - wie in den Alpen - und das gänzlich aus Sand :-) Nach Reis mit Pilzrahmsoße treibt uns die Müdigkeit (und vielleicht etwas "Suppenkoma") um 20:00 ins Bett.
Sonntag morgen, nach dem Frühstück (Patrik schraubt noch an seiner Elektrik) gehts weiter. Wir durchfahren ein "Gassi" mit vielen am Boden liegenden Hölzchen (Sind wohl noch von den Erdölsuchtrupps übrig) und sammeln ein paar ein - falls man wieder eine Strecke abstecken muss, die vorher zu Fuß abgelaufen wurde. Wir kommen gut voran und genießen die Landschaft. An einer ^Düne fährst sich Patrik fest und wir sind alle am Schaufeln. Die Kinder nutzen die Zeit, um auf den Bäuchen, Kopf voraus die Dünen hinunter zu rutschen - das macht Spaß. Mittags, angenehme 24°C fahren wir uns beide in einem Weichsandfeld fest. Jetzt ist wieder der sportliche Teil der Reise angebrochen. Schaufeln und Sandbleche legen. eine 3/4 Stunde später sind wir wieder frei - noch eine steile Abfahrt - wir sind in einem weiteren "Gassi", machen dort Pause und sammeln noch ein paar dürre Äste ein. Weiter gehts - immer wieder Dünen ablaufen, um nicht einen Trichter zu erwischen - dann steil rauf und steil runter - macht richtig Spaß (auch mit einem Porsche). Mittagspause bei 31°C - wir fahren die Markise aus - brauchen Schatten. Die Kinder falten Papierflieger. 2 Stunden später treffen wir auf einen mächtigen Dünenkamm. Nach ein paar Anläufen klappts und es geht auf der Windschattenseite ~ 130m nach unten. Patrik kommt nach und wird viel zu schnell Bergab, übersieht einen Buckel und springt (lt Reifenspuren) 4,5m durch die Luft und kommt gerade noch vor der nächsten Kante zum stehen - das war knapp. Gleich die nächste Kante wieder ~100m nach unten. Das hätte böse ausgehen können. In der Ebene angekommen finden wir wieder Reibschalen, Schraußeneierschalen, Pfeilspitzen und Tonschalenstücke - die Gedanken schweifen um die Menschen, die früher hier - als alles scheinbar noch "Grün" war gelebt hatten. Suchen einen geeigneten Übernachtungsplatz und werden um 17:30 bei 34°C auf einer Düne mit schönem Rundum blick fündig. Heute gibts Spaghetti mit Thunfischsoße, dazu ein gläschen Wein.
Die Nacht war stürmisch. Fahren auch den kommenden Tag weiter Richtung WSW. Am darauf folgenden Tag kommen wir um halb 4 am Westende des Murzuks an - auf einmal geht die Dünenlandschaft schlagartig in eine Steinwüste über. Bäume säumen den Rand des Ergs.
Haben im Erg Murzuk ca 300km zurückgelegt. Weiter geht es auf sehr steiniger Piste Nordwärts bis zu einem Wadi. Wir biegen ab in das ausgetrocknete Flußbett und Poltern Richtung Westen - Ziel Akakus Gebirge. Um 18 Uhr halten wir im Wadi bei einem kleinen Akazienwald und machen Lagerfeuer - Backen 2 kg Sandbrot und für die Kinder Stockbrot und Würstchen am Spieß. Sitzen noch lange ohne Wind am Feuer und blicken auf die vergangen Tage zurück.
Nach ruhiger Nacht noch den Müll verbrennen, Dosen und Glas einpacken, dann weiter in dem Wadi. Unsere Haare stehen kreuz und quer, haben seit 5 Tagen kein Wasser mehr gesehen :-). In Schrittgeschwindigkeit zwischen großen Steinen hhindurch kommen wir 3 Stunden später in die Tafelberge - Fotosession. Weitere 10km später werden wir von einen scheinbar entgegenkommenden Fahrzeug angeblinkt und steuern darauf zu. Wir dachten, da braucht jemand Hilfe. Angekommen stellt sich heraus, dass es ein Militärposten mit 4 Mann Besatzung ist. Der Militär Pickup steht auf Steinen - weit und breit keine Räder zu sehen! Sie fragen als erstes nach Medikamenten und Wasser und bekommen etwas von uns. Danach kurze Unterhaltung woher wir kommen und wohin wir wollen. Sie sind sehr nett und zeigen uns die Richtung, in der es weiter geht. Kurze Zeit später durchqueren wir in 20min den kleinen Erg Tait. Überwiegend Gassis mit kleinen Dünen, über die wir problemlos drüber kommen. Vor uns erscheint das Akakus Gebirge. Auf einer Piste fahren wir darauf zu - sie knickt aber nach Süden ab und wir kehren um - wir wollen ja nach Norden am Akakus entlang nach Al Awaynat. Wir halten an einer Polizeistation mit Brunnen und holen uns Informationen über die bevorstehende Route. Wir besuchen eine Familie, die am Westrand des Akakus in bescheidener Behausung lebt. Bei eine Steinbogen mache wir unsere erste längere Rast am heutigen Tag. Die Sand-/Felsformationen sind wahnsinnig beeindruckend.
Weiter zum berühmten "Finger" (sieh eher aus wie ein Wächter - oder so). Auf einmal schreit Issa, daß wir sofort um die nächste "Ecke" fahren sollen - es kam nämlich eine Polizeikontrolle und wir waren ohne Führer im Akakus unterwegs - war dann doch kein Problem, Issa kannte die beiden Polizisten. Kurzer Plausch und weitere 30km kommen wir um 18:30 am Campingplatz in Al Awaynat an. Der Platz ist sehr schön angelegt und fwir freuen uns schon auf eine Dusche und darauf wieder einmal Bekocht zu werden :-)

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Re: Libyen November 2010

Beitragvon edith » Fr 30. Sep 2011, 12:09

Hallo Stippo,
lese deinen Bericht mit Begeisterung, sehe aber immer im Geiste dazu die Bilder von den Pickups mit den Hobbykriegern durch die Wüste fahren. Wenn ich wirklich meinen Traum wahrmachen kann und nach Libyen fahre, dann habe ich mir dafür auch nur wie bei Mauretanien die Asphaltstrassen vorgenommen. Nur die will ich abfahren. So schön die Wüste ist, ich bin doch nicht die Dünenhüpferin. Allerdings fahre ich nur, wenn die Vorschrift eines Reisebegleiters aufgehoben wird.
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon Stippo » Sa 1. Okt 2011, 15:25

Hallo Edith,
die Rebellen sind wohl eher auch auf den Teerstraßen unterwegs. Aber solange dort Bürgerkrieg herrscht, ist für mich nicht daran zu Denken in der nächsten Zeit nach Libyen zu fahren - Leider. Über Teerstraßen kannst du natürlich sehr viel bereisen und sehen. Um aber an den ein oder anderen landschaftlichen Höhepunkt zu gelangen, musst du zumindest ein paar Pistenkilometer in Kauf nehmen - aber ich denke, das machst du in Marokko ja auch. Ohne Begleiterpflicht wäre natürlich klasse, das würde mir auch besser gefallen.
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Re: Libyen November 2010

Beitragvon edith » So 2. Okt 2011, 06:48

Oh, solange Bürgerkrieg herrscht werde auch ich nicht hinreisen. Die Städte, um die jetzt noch gekämpft wird, werden sicher über kurz oder lang fallen, aber mich interessiert, was danach ist. Wird es wie im Irak weitergehen und immer wieder Anschläge geben? Oder sind es wirklich nur die von Gaddafi bezahlten Legionäre, die hier gezwungenermaßen kämpfen und das Volk steht hinter der neuen Demokratiebewegung? Das muss sich erst rausstellen. Aber ich drücke ganz fest die Daumen für eine friedliche Demokratisierung Libyens.
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