Mit Mohammed Ouattou unterwehs auf Marokkos Wüstenpisten




Ihr habt irgendetwas wichtiges im Zusammenhang mit Marokko entdeckt und wollt es unbedingt weitergeben? Hier ist die Gelegenheit dazu.

Moderator: edith

Mit Mohammed Ouattou unterwehs auf Marokkos Wüstenpisten

Beitragvon edith » Mo 26. Dez 2011, 22:41

Hier zunächst das Video
http://youtu.be/hrThtlGwgNU

und hier der Bericht

Auf Pisten unterwegs mit Mohammed Ouattou

Mohammed Ouattou ist als Nomade geboren, seine Familie zieht noch immer über die Wüstensteppen zwischen Taouz und Ouzina in Südmarokko, nahe der algerischen Grenze. In seiner Jugend hütete Moha die Schafe und Ziegen der Familie und konnte nicht in die Schule gehen, schreiben und lesen lernen. Aber dafür kennt er die Wüste in- und auswendig, jeden Halm, jeden Brunnen und jeden Weg. Nun lebt er mit seiner Familie in Taouz, einem Militärposten nahe der algerischen Grenze und steht Touristen, die mit ihrem 4x4 unbekannte Wüstenpisten fahren wollen, gerne als Führer zur Verfügung. Und hat ganz gut französisch sprechen aufgeschnappt.
Ich habe Moha schon im Jahr 2009 kennen gelernt. Ich war in Zagora und wollte nach Taouz, was ich schon oft alleine getan hatte. Dazu musste ich aber das Oued Rheris kreuzen, und es bestand die große Möglichkeit, dass das Oued nach starken Regenfällen im Norden so viel Wasser führte, dass die Durchfahrt unmöglich ist. Ich habe viele Kontakte in der Gegend, rief viele an, aber keiner konnte mir genau sagen, wie die Lage ist. Aber einer, ein Englischlehrer aus Rissani, dessen Bruder die Familienauberge in Ramlia führt, wusste, dass Moha Ouattou sich gerade in Zagora aufhält und zurück nach Taouz möchte.
Ich rief ihn an, er bestätigte, dass viel Wasser da ist. Aber ein Wasserlauf in der Wüste ist etwas kurzzeitiges, man kann nicht voraussagen, wie es in einigen Stunden sein wird. Wenn es im Norden stark regnet, kommt das Wasser zu einer bestimmten Zeit im Süden an, ebbt dann aber auch wieder ab.
Moha stimmte also zu, dass wir die Tour zusammen machen. Unterwegs trafen wir drei Toyotas, der Franzose Patrick, der den Marathon de Sable vorbereitet, war mit einigen Helfern unterwegs. Sie wollten die gleiche Piste fahren wie wir, machten zunächst aber ein zünftiges französisches Dejeuner mit Rotwein. Wir fuhren nach einem Gläschen weiter. Kamen am Nachmittag an das Oued Rheris. Voll bis obenhin. Für meinen Ford Ranger keinesfalls ein Durchkommen möglich. Während wir so dem stark brausenden Wasser zusahen kam Patrick mit Staubfahne angedüst. Nun standen 7 Männer, 4 Fahrzeuge und eine Frau etwas ratlos vor den reißenden Fluten. Von der anderen Seite näherten sich zwei Mercedes-Transporter, die vom Souk in Rissani zurück in ihr Dorf wollten. Es wurde alles versucht. Einer kämpfte sich mit einem Seil durch die Fluten, wollte es hinüberbringen, so dass dann die Wagen rüber gezogen werden können. Aber alle Versuche schlugen fehl und am Ende musste jeder auf seiner Seite in der nächsten Auberge nächtigen und hoffen, dass die Wassermassen bis zum nächsten Morgen zurückgehen. Was auf unserer Seite gar nicht so schlecht war. Patrick hatte wirklich alles dabei: Pastis zum Aperitif, dazu leckere Tapas. Fleisch und Gemüse für ein Tajine, dazu Rotwein. Und nach dem Essen schlugen die Jungs auf alles, was sich irgendwie zum Trommeln eignete, es wurde getanzt und gesungen, ein richtiger Ahidous.
Am nächsten Morgen war ich als erste am Fluss. Das Wasser war noch immer hoch und reißend. Mir war sofort klar, dass zumindest an diesem Vormittag kein Durchkommen möglich war, und ich drängte Moha dazu, die Alternative zu fahren, die er vorgeschlagen hatte. Und das war dann das richtige Abenteuer. Meist ohne jede Piste fuhr er querfeldein, kannte jeden Strauch, jeden Nomaden und brachte uns morgens um 11 Uhr sicher nach Rissani. Erst als ich am Nachmittag gemütlich vor der Auberge Touareg saß, fuhren die drei Toyotas von Patrick vorbei. Wie ich vermutet hatte, haben die Männer natürlich noch ein paar Stunden diskutiert, wie man am besten rüber kommt, bevor sie dann doch wie Moha die Alternative wählten.

Da ich damals also mit Moha sehr zufrieden war, wollte ich ihn auch diesmal für die Piste Taouz – Ramlia – Tagounit dabei haben. Wir trafen uns morgens um 8 Uhr an seinem Haus. Er fragte, ob er noch etwas für seinen Vater mitnehmen könne, der immer noch als Nomade in der Wüste lebt. Wir packten einen Sack Mehl und einen unglaublich schweren Sack Datteln auf den Pickup und los gings. Schon etwa 5 km hinter Taouz verließ Mohammed die Piste und fuhr auf einen Berghang, es war eine unglaublich schöne Stelle. Rotgoldene Sanddünen glühten in der Morgensonne, davor eine große ebene Fläche, die auch Patrick für den Marathon de Sable als Standquartier nutzt. Ideal für alle 4x4 – Fahrer zur Übernachtung, das kommt ins nächste Buch. Vom fernen Hügel sahen wir eine kleine Gestalt herab kommen, ein Zelt war nicht zu sehen. Mohas Vater hatte uns schon entdeckt und kam näher. Es ist mir ein Rätsel, wie dieser kleine, hagere Mann, der wohl kaum mehr als 45 Kilo wiegt, nachher die Vorräte hoch schaffen will. Er wollte uns zum Tee in sein Zelt einladen, aber ich wollte weiter, wollte ich doch noch am Abend in Mhamid ankommen und wusste noch nicht, dass daraus nichts werden sollte.
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Nur wenige Kilometer weiter hielt Moha schon wieder an. Ich vertraue ihm auf Pisten immer mein Auto an, er ist ein sehr guter Fahrer und weiß am besten, wo es lang geht. Obwohl er nicht lesen und schreiben kann hat er doch seinen Führerschein gemacht (nicht gekauft). Nur wenig entfernt von der Piste sind die Felsgravuren von Tifina. Nicht nur war es interessant, diese zu sehen, von dem Berggrat, auf dem sie sich befinden, hat man eine beeindruckende Aussicht und ich weiß nicht, was schöner ist.
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Dann stoppten wir an der Auberge Tazoult, 30 km von Taouz. Nur kurz einen Tee trinken und es geht weiter. Nach Taouz ist ein Sanddünengebiet, Wanderdünen, hier gibt es keine sichtbare Pisten, nur diverse Spuren. Jeder versucht, so gut es geht über die Dünen zu kommen und die Richtung zu behalten. Ich hatte Moha bereits vor der Tour gesagt, dass mein Wagen nicht sehr gut im Sand ist. Ich hatte vollen Reifendruck und der 4L ist defekt, geht nicht mehr, seit ich in Marokko mal in einem üblen Loch steckte und eine Stunde lang versuchte, wieder raus zu kommen, was dann aber klappte. Ich schloss die Augen und Mohammed fuhr und natürlich kamen wir gut durch.
In Ouzina, der nächsten Etappe, hat sich unheimlich viel getan. Hier ist nun, fast wie in Merzouga, Auberge an Auberge, und sie sind sehr schön hergerichtet. Hier kann man durchaus komfortabel übernachten. Sollte man die Strecke in der Gegenrichtung fahren ist dies ein idealer Etappenpunkt, denn man braucht für die Piste mindestens 10 Stunden reine Fahrzeit, was man vor allem in den kurzen Wintertagen nicht an einem Tag schafft.
Mittags hatten wir uns bereits zum Essen in der Auberge Aghbalou in Ramlia angekündigt. Es gab ein Tajine, einen Tee und schon waren wir wieder auf der Piste. Nach Ramlia kommt die zweite schwierige Stelle der Strecke, das Oued Rheris ist hier nicht schmal und tief, sondern zieht sich auf mehrere Kilometer Breite dahin, wenn kein Wasser da ist gibt es sehr viel Sand, wenn Wasser da ist kann es sogar sumpfig sein. Auch dies wirklich nicht einfach, aber Moha kennt die besten Stellen und fährt meinen nicht ganz zuverlässigen Ranger sicher durch das Sandgebiet.
Etliche Kilometer vor Tafraout schlägt er vor, die Piste nach rechts zu verlassen, um einen Umweg durch eine schöne Oase zu machen. Ich stimme zu. Wir fahren einen Hügel hinauf, danach wieder Sand. Moha macht einen Schlenker, und zack, wir sitzen fest. Während ich auf Wüstenpisten immer 4x4 einlege, mögen die einheimischen Chauffeure das weniger und setzen 4x4 nur im Sand ein. Und er hatte nicht schnell genug umgeschaltet. Und ich kenne mein Auto, wenn das mal festsitzt, kommt es so leicht nicht wieder raus. Mir schlug das schon auf dem Magen, aber Moha meinte, mach dir keine Sorgen, du bist mit mir, ich mach das schon. Er schnitt die nächsten Büsche ab, legte sie unter. Nichts. Der hier nötige 4L ist ja auch kaputt. Ich ging zurück zur Hauptpiste und wartete ab, wer zunächst die Lösung bringt, Moha mit seinen Büschen oder ich mit einem Hilfsfahrzeug.
Schon lange vorher hörte ich ein sanftes Brummen, und tatsächlich, ein alter Landy kam angefahren. Weit von der Hauptpiste, aber ich lief winkend auf ihn zu und er sah mich. Der Inhaber der Auberge Marabout in Tafraout. Keine Minute zögern, er kam sofort mit und die zwei Männer mühten sich zunächst ab, den Wagen so zu befreien, ließen Luft ab. Ging nicht. Also Abschleppseil dran, den Landy in Position fahren und Luft anhalten. Langsam setzte sich mein Ranger in Bewegung und kam auf harten Grund. Und dann stellte sich heraus, dass zu allem Überfluss auch noch der eine Reifen sich einen Nagel eingefangen hatte und schon vorher ganz langsam Luft verloren hatte. Also wurde er gewechselt.
Aber die übrigen Reifen hatten ja nun auch zu wenig Luft, um weiter auf Steinpiste zu fahren. Moha fuhr zu einer Auberge, von der er wusste, dass es dort einen Kompressor gibt. Doch schon vorher trafen wir einen LKW, die haben hier immer einen Kompressor eingebaut und er pumpte meine Reifen auf. Ist ein guter Tipp für alle, die das mal nötig haben, ein LKW-Fahrer hatte mir auch schon früher mal einen Reifen komplett geflickt, gegen eine alte Jeans.
Inzwischen war es zu spät, um Tagounit noch vor Dunkelwerden zu erreichen. Zwischen Tafraout und Tagounit gibt es nichts, hier sind 90 km Wüste nahe der algerischen Grenze und das Militär überwacht diesen Bereich sehr stark. Im Abstand von 30 – 50 km sind Kameras installiert, die alles überwachen, was sich bewegt. In diesem Gebiet ist auch das freie Übernachten nicht gestattet, ganz davon abgesehen hatten wir auch nichts dabei. Also schliefen wir in einer der zahlreichen Auberges von Tafraout, bevor es am Morgen weiter ging.
Nach Tafraout geht es zunächst über den tischebenen Lac Maider. Bei so klarem Winterwetter bietet er nicht die geringste Schwierigkeit, er lässt sich mit großer Geschwindigkeit fahren, das macht richtig Spaß. Immer dem GPS nach, es gibt hier unzählige Spuren. Aber bei Sandsturm, der vor allem im Frühjahr nachmittags häufig ist, ist das eine ganz andere Sache. Dann sieht man überhaupt nichts mehr und am besten wartet man etwas ab. Die weitere Pistenstrecke bringt keine Probleme mehr, ist deutlich zu erkennen. Aber ein Highlight gab es noch für mich. Vor vielen Jahren einmal war ich diese Piste gefahren und kam in ein kleines Örtchen namens Mguid. Dort hatte der sehr nette Dorfchef mit einfachsten Mitteln in seinem Haus eine Auberge geboten. Ich hatte damals zusammen mit einem Freund Tee bei ihm getrunken und immer gute Erinnerungen an dieses nette Erlebnis gehabt. Ich wollte mal wieder dorthin. Mguid liegt ein wenig abseits der Piste, d.h. es gibt zwei etwa gleich lange Alternativen und die eine führt durch das winzige Dorf. Und tatsächlich, alle waren da. Der Chef hat nun eine ummauerte Fläche für Camping vorgesehen, bot uns wie damals sofort einen Tee an. Die Tochter buk gerade das Brot für den Tag und so kam eine Schüssel Olivenöl mit dem noch heißen Brot auf den Tisch, dazu der süße Tee, einfach köstlich. Jeder, der gerade im Begriff war, etwas zu arbeiten, ließ alles stehen und liegen und setzte sich zu uns. Natürlich nur die Männer, die Frauen gingen weiter ihrer Arbeit nach. Und in dem Sinne gelte ich in Marokko nicht als Frau, ich bin immer der Ehrengast und den Männern gleich gestellt.
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Wir wollten uns verabschieden, doch dann wollte noch einer mitgenommen werden nach Tagounit, 50 km steinige Piste. Mein Auto kann nur zwei Personen fassen, ist alles zugepackt mit Gepäck. Also ab auf die Ladefläche, staubig zwar, aber ganz gemütlich. Er kam jedenfalls heil und gesund in Tagounit an.
Dort musste ich mich auch von meinem treuen, zuverlässigen Führer verabschieden. Aber ich bin sicher, wir werden mal wieder eine Tour zusammen machen und ich kann ihn auch nur jedem weiteren Interessenten sehr empfehlen. Es ist ein ruhiger, bescheidener Mensch mit sehr großer Wüstenkenntnis. Er hat kein eigenes Fahrzeug, man muss also einen Platz bei sich im Wagen frei haben. Da Moha nicht schreiben kann hat sein Freund Brahim eine Webseite für ihn gemacht und beantwortet auch seine Emails (in Französisch).
Führer: Mohammed Ouattou, Tel. 0670 – 35 90 92, www.desert-raid-sahara.com, desert.raid.sahara@gmail.com
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Edith
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